Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439564
III. 
Candid als Tafelmaler. 
Augustusbrunnen in Augsburg. 
Der 
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hat, die hageren aber feinen Hände der Elisabeth, der blühende, 
zarte Hautton des Christkindchens, das alles ist fein und voll 
Empfindung der Natur abgelauscht, und durch echtes Schön- 
heitsgefühl geklärt und geläutert. 
Der Kopf der Maria kehrt ganz ähnlich auf einem Stiche I) 
des Rafael Sadeler nach einem Entwurfe Candids wieder, der 
die Madonna mit dem Kinde in halber Figur zeigt. Dieselbe 
hält vor sich den auf einem Kissen liegenden Kleinen und blickt 
ihn voll mütterlicher Liebe an. Das Ganze umschliefst ein Oval, 
dessen unterer Teil als Schriftfläche abgeschnitten ist. Dieselbe 
Darstellung im Gegensinne stach mit reicher dekorativer Um- 
rahmung P. van Schuppen. 
Von dem zweiten, von Candid für die Kapuziner gemalten, 
jetzt verschollenen Bilde, dem heiligen Franziskus, der die 
Wundenmale empfängt, das sich am Choraltare der Klosterkirche 
befand, bemerkt Rittershausen nur, dafs es „wegen dem aufser- 
ordentlichen Fleifs vieler Kleinigkeiten, Gesträuche, Vögel zu 
bewundern" sei. Das ist aber auch alles, was wir von dem 
Bilde Wissen, denn wir glauben nicht, dafs uns der Stich mit 
der Darstellung des die Wundenmale empfangenden Franziskus, 
den der junge Sadeler nach Angabe des Kapuzinermönches 
Remigius de Bozulo und nach der Aufzeichnung des Candid 
machte, dasselbe bewahrt, obschon auch auf diesem allerlei 
Pflanzen und Getier auf der Höhe, auf der Franziskus steht, 
zu bemerken ist. Die Ähnlichkeit der ganzen Auffassung mit 
einem ebenfalls von Remigius de Bozulo angegebenen und nach 
Zeichnung des Candid von demselben Stecher im Jahre 1615 
verfertigten Stiche, der wie jener eine Weihinschrift an Elisa- 
beth trägt, und dann die Bezeichnung "Petrus Candido iiguravit" 
und nicht pinxit, lassen uns vermuten, dafs Candid beide zu- 
sammen für den Stich entwarf. Möglich bleibt es natürlich, 
dal's ihm dabei das wahrscheinlich schon vorher gemalte Bild 
vor Augen schwebte. Auf dem Stiche sehen wir nach links 
gewandt auf der beschriebenen Anhöhe den heiligen Franziskus 
1) Derselbe trägt folgende Unterschrift: Nobili et excellentissß Viro Däo 
Thomae Mermanno Agripp: Serenissimorum Bauariae Ducum etc. Consiliario 
et Archiatro. Die suo calendmo d. d. Raph. Sadeler P. Candidus pinxit. 
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