Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439551
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Zwveiter Teil. 
mit vorgeneigtem Oberkörper voll Andacht zu jenem hinüber- 
schaut. Rechts etwas im Grunde kniet Joseph sich mit der 
Linken aufstützend und mit der Rechten einen Stab fassend, 
an dem er seinen Körper ein wenig hebt, um die Gruppe besser 
betrachten zu können. 
Das Werk ist unzweifelhaft das beste Gemälde Candids, 
das nicht nur durch die vollendete Komposition, den feinen 
F lufs der Umrifslinie, sondern in gleichem Mafse durch die 
Frische und Zusammenstimmung der Farben überrascht. Mehr 
als vor irgend einem anderen seiner Werke empfinden wir, wie 
tief der Künstler in das Wesen der italienischen Kunst ein- 
gedrungen ist und wie sehr dasselbe seiner ganzen Natur ent- 
sprach. Es ist als sei der Geist jener Kunst noch einmal er- 
wacht und habe" auf fremdem Boden noch eine köstliche Blüte 
emporspriefsen lassen. Eine so vollendete Durchdringung idealer 
Auffassung und natürlicher Darstellung, gesetzmäfsiger, archi- 
tektonischer Gruppenbildung und warmen, empiindungsvollen 
Lebens, eine solche Innerlichkeit und XVärme künstlerischen 
Gefühls, auf dessen Grunde dieses Werk gewachsen ist, läfst 
an die besten der früheren Meister denken. Kann es auch 
nicht den Werken jener als gleichwertig an die Seite gestellt 
werden, denn seiner Liebe zu diesen hat der Künstler doch 
seinen Tribut gezollt und nicht so voll und ganz wie sie, seine 
ureigene Natur zur Erscheinung gebracht, so darf es doch 
immerhin als ein edler Nachkomme eines edlen Geschlechtes 
gelten. Auch ihm fehlt es nicht an elementarer Kraft. Schon 
die Handzeichnung, die leider durch das übermäfsig stark auf- 
gesetzte Weifs verdorben ist, zeigt, mit welcher Frische der 
Meister hier gearbeitet hat und ist zugleich Wieder ein Beweis 
für die Sorgfalt, mit der er bei seinen Kompositionen zu Werke 
ging, denn die linke Hand, mit der die Madonna das Kind be- 
rührt, ist noch einmal mit der Feder gezeichnet und zwar in 
vergrößertem Mafsstabe, und in gleicher Weise findet sich hier 
noch einmal der hervorkommende linke Fufs, der ursprünglich 
unbekleidet, hier aber, wie auf dem Gemälde mit einer Sandale 
versehen ist. Das Bild bekundet das sorgfältigste Naturstudium; 
solche Falten, wie sie die Gewandung der Maria zeigt, die weiche, 
füllige Hand, mit der diese würdevoll das Gewandstück gefafst
        

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