Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1438305
Einleitung. 
wurde aus der Verborgenheit hervorgeholt, und in dem klaren 
und erwärmenden Lichte, das sie spendete, vermochte das, was 
man errungen und erarbeitet hatte, weiter zu bestehen und 
reiche Frucht zu tragen. Was dem Humanismus nicht gelungen 
War, hat die Reformation vollzogen. Indem Luther das religiöse 
Bewufstsein von der Zufälligkeit erstarrter Formen befreite und 
das Gewissen rettete, einte er Altertum und Christentum zu 
einem kräftigen Bunde. 
Eine ähnliche Bewegung und Wandlung fand statt auf dem 
Gebiete der Kunst, nur nicht so stürmisch und gewaltsam, sondern 
in langsamer Entwicklung. Nur in einzelnen Künstlergestalten 
spricht sich klarer und bewufster das Ziel derselben aus. Von einer 
Renaissance im Sinne der italienischen Kunst, in der das antike 
Element, wenn auch nicht das Ganze ausmacht, so doch das 
Wesen bestimmt, kann man in der deutschen Kunst nicht reden, 
denn diese hat ihren alten Grund bewahrt, und nur auf ihm 
entwickelt sich gesund und blühend ein neues Kunstleben. 
Unter dem Einflusse des italienischen Kunstgeistes vollzogen 
sich in den Formen bedeutende Wandlungen, aber der Grund- 
zug ihres alten Wesens, die mit einer gewissen Derbheit ver- 
bundene Kraft und Natürlichkeit ging in den guten Zeiten der 
deutschen Renaissance nicht verloren. 
Die deutschen Künstler konnten sich der mächtig auf- 
blühenden Kunst Italiens nicht verschließen. Sie suchten die 
Stätten, wo sie am glänzendsten ihr Dasein führte, auf, und 
ohne ihrem eigenen Wesen untreu zu werden, woben sie das, 
was sie als Wirkliche Errungenschaften erkannten, in ihre Werke 
ein. Zuerst sind es die Maler und Bildhauer, erst später ent- 
wickelt sich die Architektur. 
Kräftig spürt man den neuen Zug in den Werken eines 
Dürer und eines Holbein. Beide haben ihr Deutschtum zu wahren 
gewufst, aber dennoch fühlt man es ihren Werken an, dafs 
der Geist Italiens es ihnen angethan hat. Ihr Wesen offenbart 
sich am reinsten in ihren Stichen und Holzschnitten, die uns in 
ihrer volkstümlichen Frische und Ursprünglichkeit wie Kern- 
Worte Luthers anmuten. In der Art, wie sie die Erzählungen 
der Bibel zur Darstellung brachten, in der YVahl der entlehnten
        

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