Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439442
III. 
Tafelmaler. 
Candid als 
Der Augustusbrunnen in Augsburg. 
119 
nach vorn gestreckt ist. Um sein Haupt legt sich diademartig 
ein Lorbeerkranz. 
Stilistische Gründe sind es, die uns vermuten lassen, dafs 
die Entwürfe zu den Figuren von Candid herrühren, denn nicht 
nur entspricht ihr Charakter im allgemeinen dem seiner Kunst- 
weise, sondern dieselben zeigen noch offenbare Ahnlichkeiten 
mit anderen Werken des Künstlers. So erinnert der Augustus 
in der Bekleidung und Bewaffnung, ja auch der Gesichtsbildung 
an die Figur des Constantin, eine dekorative Malerei im Depot 
von Schleifsheim und in ganz ähnlicher Auffassung kehrt diese 
Gestalt auf dem Bilde der Monarchie im früheren Kaisersaale 
der Residenz zu München wieder. Auch die von Candid ent- 
worfenen römischen Kaisergestalten im goldenen Saale des 
Rathauses von Augsburg, zumal der Trajan, sind dem Augustus 
stilistisch nahe verwandt. Ebenso läfst sich die Figur des Lech 
unmittelbar mit der Gestalt des Inn vom Theatinergange der 
Münchener Residenz vergleichen, die nach rechts knieend in 
ganz ähnlicher Weise in den Bart greift. Wäre die Bavaria, 
die wir schon bei der Beschreibung des südlichen Residenz- 
schlosses mit den Worten Hainhofers schilderten, ein sicher 
bezeugtes Werk des Candid, so würde ein Vergleich zwi- 
schen ihr und der Gestalt der Singold die volle Überzeugung 
schaffen, dafs auch diese unserem Meister ihr künstlerisches 
Dasein dankt, denn beide sind durchaus miteinander verwandt. 
Die schlanken aber doch kräftigen Formen, die weiche Ge- 
staltung der Brust und der Bauchteile, die Fülle der Ober- 
schenkel und die dagegen etwas spröde gebildeten Unter- 
Schenkel, der rundliche, etwas gereckte Arm, die leise Drehung 
und Neigung des Kopfes, der um die nackten Körperteile ge- 
legte Schmuck, das alles sind bei beiden äufserst charakteristische 
Merkmale. Da uns jedoch auch hier nur stilistische Begrün- 
dungen zur Bestimmung des Künstlers führen, so kommen wir 
durch diesen Vergleich der Gewifsheit nicht viel näher. Da 
die Ausführung der Bavaria aller Wahrscheinlichkeit nach von 
Krumper herrührt, so ist diese Ahnlichkeit ungemein auffallend 
und die Annahme eines über Gerhard und Krumper stehenden 
Künstlers, der die Entwürfe lieferte, sehr wahrscheinlich. 
Vielleicht war es das gute Gelingen des Augustusbrunnens,
        

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