Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439411
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Zweiter Teil. 
und einer Reihe von Werken, die uns zeigen werden, wie er 
aus der Zerrissenheit wieder zu ruhiger Klarheit und zugleich 
zur Höhe seines Schaffens kommt, liegt doch eine Kluft von 
mehreren Jahren. Ehe wir jedoch an die Betrachtung der- 
selben gehen, wenden wir uns einem Werke zu, das gerade 
in der Zeit seiner Entwicklung entstand, dem Augustusbrunnen 
in Augsburg. 
Als Urheber des Augustusbrunnens gilt ganz allgemein 
Hubert Gerhard und die Baumeisterbücher im städtischen Ar- 
chive von Augsburg enthalten nichts, was diese Annahme um- 
zustofsen vermöchte. Dennoch glauben wir, den Entwurf zu 
demselben dem Candid zuschreiben zu müssen. Dafs Gerhard 
kein selbständig schaffender Künstler war, haben unsere früheren 
Erörterungen wahrscheinlich gemacht; in diesem Falle spricht 
noch ein besonderer Umstand dafür, dafs er nach fremden Zeich- 
nungen geschaffen habe. Bei einer allgemeinen Betrachtung 
des Brunnens wird der Gegensatz in die Augen fallen, in dem 
die Figur des Augustus mit den auf dem Rande des Beckens 
gelagerten Figuren steht; zeichnet sich jener durch plastische 
Ruhe aus, so erscheinen diese bewegt und in ihren Konturen 
oft willkürlich und zerrissen, während auch sie ihrem ganzen 
Wesen nach auf vornehme Ruhe und eine dekorative Linien- 
führung Anspruch erheben könnten. Dieser Gegensatz wird 
jedoch aufgehoben, wenn wir von der allgemeinen zur Einzel- 
betrachtung schreiten, denn bei derselben wird sich ergeben, 
dafs jede dieser Figuren von einem bestimmten Punkte aus be- 
trachtet eine Ansicht bietet, die den genannten Bedingungen 
mehr oder weniger genügt, und die mit dem Eindrücke, den 
der Augustus macht, durchaus harmoniert. Bei der freien Auf- 
stellung dieser Figuren konnte die einseitige Auffassung nicht 
in der Absicht des Modelleurs gelegen haben, und es wird da- 
her die Zufälligkeit und Willkürlichkeit des Linienspieles in den 
übrigen Ansichten nicht seinem Willen, sondern vielmehr seinem 
Unvermögen zuzuschreiben sein. Wie aber läfst sich dieses mit 
jener wunderbaren Vollendung  nur die weibliche Gestalt mit 
dem Mühlrade ist nicht ganz gelungen  in Einklang bringen, 
die in dekorativer Hinsicht jene eine Ansicht offenbart! Es will 
uns daher folgendes als wahrscheinlich erscheinen: Gerhard ar-
        

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