Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439380
III. 
Candid als Tafelrnaler, 
Der Augustusbrunnen in Augsburg. 
1I3 
Die vielen Aufträge nötig ten unseren Künstler sich eifriger 
als bisher der Ölmalerei zuzuwenden und die Farbe stärker 
zu betonen, als es seinem mehr plastisch schauenden und em- 
piindenden Sinne entsprach. Er hatte bei seinen Entwürfen 
nur die formale Wirkung im Auge, ihn interessierte die korrekte 
Komposition und Disposition, die gesetzmässig laufende Um- 
grenzungslinie, die wohlproportionierte Lagerung der Teile, 
Wenig dagegen berührten ihn die durch Schatten und Licht, 
durch das Spiel der Reiiexe, durch Farbenkontraste erzielten 
Wirkungen; durchsichtige Halbschatten und zarte Abstufungen 
der Töne waren ihm etwas Fremdes. Die Farbe trat erst hinzu, 
nachdem die Komposition abgeschlossen war, War bei derselben. 
nicht mafsgebend, übte auf sie keinen Einiiufs aus. Daher tritt 
sie, wie im Verkündigungsbilde der Michaelskirche nur schüch- 
tern auf, um nicht den reinen Eindruck der Komposition auf- 
zuheben. Das stärkere Betonen wie in dem Ursulabilde ge- 
schieht auf Kosten der guten Komposition; die einzelnen Teile 
des Bildes, wie die Kriegergruppe links, die knieende Ursula, 
die Gruppe der verzweifelnden und der getöteten Jungfrau rechts, 
an sich harmonisch und schön, schliefsen sich nicht zu einem 
Ganzen zusammen, weil nur das Nebeneinander, nicht aber das 
Hintereinander der Teile bei der Anlage in Betracht gezogen 
ist. So möchten wir uns den Mangel guter Komposition, die doch 
Candids Gröfse ist, erklären, den uns eine Reihe seiner Werke 
empfinden läfst. Um den in ihm erwachten Zwiespalt zwischen 
Form und Farbe zu lösen, mufste er tiefer in das Wesen der 
Farbe eindringen und versuchen, sich dasselbe zu eigen zu 
machen. Während dieser Periode, aus der er geläutert und 
geklärt hervorgeht, lassen sich deutlich Spuren der Kunstweise 
des Schwarz erkennen. 
Nicht an diesen erinnernd, aber doch von stärkerer kolo- 
ristischer Wirkung als in den bisher betrachteten Werken be- 
obachtet wurde, ist ein im Depot der Gallerie von Schleifsheim 
beündliches Bild: Esther bittet den Ahasver um Gnade für ihr 
Volk. In einer geräumigen Halle, durch deren schwarze Mar- 
morsäulen man auf eine italienische Strafse blickt, steht links 
im Mittelgrunde etwas erhöht vor einem Thronsessel Ahasver 
und beugt sich ein wenig zu der vor ihm knieenden Esther 
Ree, Peter Cnndid. 8
        

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