Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1438294
Einleitung. 
früh die Samenkörner humanistischer Bildung aus Italien hin- 
übergeweht waren, um hier einen fruchtbaren Boden zu ge- 
winnen. Hier blieb der Humanismus kein blofses Bildungs- 
mittel, nicht eine Brücke, welche Altertum und Gegenwart ver- 
binden sollte, sondern ward zu einer das ganze Gemütsleben 
erschütternden Macht, die in demselben eine mächtige Wand- 
lung hervorrief. Der Humanismus Italiens ist von Einseitigkeit 
nicht frei zu sprechen, selbst die erlauchtesten Vertreter des- 
selben waren doch nur begeisterte Idealisten, die sich wohl in 
erhabene Ideenkreise hineinlebten, sich in ihnen wiegten, aber 
zu ihrer Verwirklichung weder die Kraft noch den Mut be- 
safsen, ja sogar oft, wenn sie ihre Person bedroht sahen, ihre 
Ideen preisgaben. 
Die Ideen des Altertums lebten in ihrem Geiste, die Gre- 
stalten desselben waren in ihrer Phantasie lebendig, aber was 
hatten sie mehr gewonnen als ein schönes Traumbild, das jeder 
rauhe Stofs des wirklichen Lebens zerstören mufste! 
Auch die Deutschen wufsten den goldenen Schatz, der in 
der Antike verborgen lag, zu würdigen, aber da sie dieser Welt 
ferner standen, nicht durch Kunstwerke unmittelbar auf sie 
hingewiesen, noch von ermunterndem Ahnenstolze bewegt wur- 
den, so fühlten sie sich auch nicht getrieben, das versunkene 
Reich wieder zu heben, die klassische Welt von neuem zu 
beleben. 
Indem sie aber die ewigen Wahrheiten der Antike er- 
kannten, mufste auch ihnen der Widerspruch, in welchem diese 
Welt mit der kirchlichen, die sie beherrschte, stand, in das Bewufst- 
sein treten. Das aber stimmte sie nicht zu Gleichgültigkeit oder 
frivolem Spott, sondern regte sie zu tiefem und emsigem Forschen 
an. An Spöttern hat es freilich nicht gefehlt, man denke nur 
an Erasmus, aber dieselben haben nicht das ätzende, zersetzende 
Element der Italiener und sind selbst im Spott von positivem, 
auf Wahrheit ausgehendem Streben beseelt. 
An die Stelle des blinden Autoritätsglaubens trat der Trieb 
nach Erkenntnis, der Drang nach Wahrheit. Hatte man früher 
blind geglaubt, so wurde jetzt Kritik geübt, streng und uner- 
bittlich, aber gerecht, nur was vor ihrem Richterstuhle bestehen 
konnte, bewahrt, alles Übrige verworfen. Die heilige Schrift
        

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