Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439342
in 
Arbeiten 
der Jesuitenkirche 
Michael. 
109 
ausführte. Der Engel war nach Rittershausen und Naglerl) ur- 
sprünglich zu einer Cäcilia bestimmt und hat erst später die 
Flügel erhalten. Letzterer giebt noch an, dafs sie zur Orgel 
gehörte. Die ganze Stellung der Figur spricht auch dafür. In 
langem Untergewande und dicht unter der Brust gegürtetem 
Übergewande steht sie vor dem Becken, dessen Rand sie wie 
zum Spiel nur leise mit den Fingerspitzen berührt. Ihr Blick 
ist sinnend in die Ferne gerichtet, von dem schönen, mit einem 
Diadem geschmückten Haupte wallen die Haare in Locken 
herab. Ob die Haltung zumal der Hände allein zu der An- 
nahme geführt hat, dafs die Figur ursprünglich eine Cäcilia 
darstellte und erst später die Flügel erhalten habe, oder 0b 
eine ganz bestimmte Nachricht vorlag, vermögen wir nicht an- 
zugeben. Wahrscheinlich erscheint uns jedoch, dafs der erstere 
Umstand allein maßgebend gewesen ist, da die Beschreibung 
vom Iahre 1597 die Gestalt schon als Weihwasserengel neben 
der Magdalena erwähnt: 
Aereus ante basim lustralem sustinet vndam 
Aligcr et mentis purgari templa precatur. 
Hier wie bei der Magdalena der Kreuzesgruppe verraten die 
Wunderbar feine Faltengebung, sowie die überaus geschickte 
Anbringung der Schmuckteile am deutlichsten die Hand unseres 
Meisters. Bei dem Engel spricht für Candids Urheberschaft 
auch die auffallende Ähnlichkeit des schönen Antlitzes mit dem 
des Verkündigungsengels auf der Predella des früheren Hoch- 
altars der F rauenkirche. 
Die Kreuzesgruppe mit der heiligen Magdalena War, wie 
aus der Inschrift hervorgeht, zum Grabmonument von Herzog 
WVilhelm und dessen Gemahlin Renata bestimmt, die im Jahre 
1602 starb. Vor dem Kreuze, an welchem der Erlöser hängt, 
an dem nur das schön gebildete, gesenkte Haupt auffällt, ist 
Magdalena niedergekniet und umfafst es mit der Rechten, 
während sie mit der Linken ein Tuch an dasselbe prefst. In 
schmerzvoller Bewegung mit scharfer Drehung des Oberkörpers 
blickt sie empor. Sie ist reich gewandet; das durch einen kost- 
bar besetzten Spangengürtel und Agraffen zusamrnengehaltene 
1) München 
1883-
        

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