Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1438284
Einleitung. 
liebevolle Hingebung an die alte Welt, deren Ideen mit den 
herrschenden kirchlichen Ansichten in so schroffem Gegensatze 
standen, mufsten notwendigerweise den Glauben an die Autori- 
tät der kirchlichen Grundsätze und Tradition ins Wanken 
bringen. Drangen doch die neuen Strömungen bis in die päpst- 
lichen Kreise hinein und bekannten selbst Päpste ziemlich offen- 
herzig ihren Unglauben! Der Gedanke an eine Reformierung 
lag nahe, aber man gab sich mit dem Bewufstsein zufrieden, 
sich selbst frei gemacht zu haben, machte seinen Gefühlen in 
Spottgedichten Luft, meinte jedoch dem Volke den Glauben 
lassen zu müssen, den man selbst für einen Wahn hielt. Ein 
solcher Zustand konnte sich auf die Dauer nicht halten, es 
mufste nach der einen oder der andern Seite hin eine Ent- 
scheidung getroffen werden. Ihm wurde ein Ende gemacht 
durch den gewaltigen Sixtus V., der mit der Liebe zur Antike 
das energische Streben verband, dem Papsttum wieder seinen 
alten Glanz und sein früheres Ansehen zu verschaffen, der daher 
die humanistischen Studien nur insoweit beförderte, als sie dazu 
dienen konnten, die Macht der Kirche zu festigen und zu stützen. 
Ihm wie dem Einüusse des neugegründeten Iesuitenordens dankt 
die katholische Kirche ihre Rettung. Eine eigentliche Durch- 
dringung und Verschmelzung der durch das Studium des Alter- 
tums gewonnenen Anschauungen mit den kirchlichen Tradi- 
tionen fand nicht statt, das gewonnene geistige Gut, von dessen 
segensreichem Wirken die Kunstwelt ein beredter Zeuge blieb, 
ging für das Leben verloren. Der Humanismus, der es mit 
diesem nie recht ernst genommen hatte, war nicht stark genug 
gewesen, sich in diesem Elemente zu behaupten. 
Wie die humanistische Bildung nur das Sondergut einiger 
Bevorzugten blieb, hie und da an den Universitäten, zumeist 
an den Höfen gedieh, nicht aber in die Kreise des Volkes 
drang, so blieb auch die Kunst Italiens im wesentlichen nur 
eine Kunst der höiischen Kreise. Die Fürsten Wetteiferten 
miteinander, um ihren Thron die angesehensten Humanisten 
und Künstler zu versammeln, und indem nun letztere von jenen 
ihre Anregungen empfingen, entfremdeten sie sich mehr und 
mehr dem Geiste des Volkes. 
Wie so ganz anders war es in Deutschland, wohin schon 
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