Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439231
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Zweiter Teil. 
ein entsprechendes, würdiges Gewand geben zu müssen meinte. 
Man glaubt eher einen Fürstensitz als die Wohnung einer reli- 
giösen Genossenschaft vor sich zu haben. 
An den Fassaden können wir das letzte Ringen der deutschen 
Renaissance mit den Formen der italienischen Kunst, die jene zu 
verdrängen drohen, beobachten. Die originellen Portale des Kolle- 
gialgebäudes, der Giebel der Kirche mit den auf ein geringes 
Mals herabgedrückten Voluten, die seitlichen Ansätze mit den 
krönenden Obelisken, die an Strebepfeiler mit Fialen erinnern und 
anderes behauptet sich hier als Zeuge derjenigen Kunstrichtung, 
welcher der Arkadenhof des Marstalles und die Heiligegeist- 
kirche ihr Dasein verdankten; im übrigen, besonders in den ge- 
raden Wandpilastern und den würdevollen Marmorportalen, die 
trotz der Voluten der deutschen Eigenart durchaus entbehren, 
tritt hier deutlich das Streben hervor, dem italienischen Geiste 
gerecht zu werden. Am stärksten macht sich dies jedoch im 
Inneren bemerkbar, auf dessen majestätische Wirkung die 
Fassade trotz der rühmend hervorgehobenen gleichen Stock- 
Werksgliederung den Blick nicht vorbereitet. Vorbild der ganzen 
Anlage war die Kirche S. Gesu in Rom.  
Zwei Portale führen in einen weiten, einschiffigen, von einem 
Tonnengewölbe von 34 m Spannweite überdeckten Raum mit 
je drei Kapellen an den Langseiten und einem nicht weiter als 
diese ausladenden Querschiffe; an das mit geringer Einziehung 
der um mehrere Stufen erhöhte Chor tritt, um den sich eine 
Reihe kleinerer Räume legt. Wände und Decke sind in fein- 
sinniger Weise, ohne die Überladung, die in den meisten je- 
suitenkirchen Italiens eine so beklemmende Wirkung ausübt, mit 
Stuckornamenten ohne Earbenauftrag geschmückt, und zwischen 
den Kapellen sowie an den Chorwänden stehen in paarweis 
übereinander angebrachten Nischen aus Gips gegossene Engel 
mit Marterwerkzeugen, Apostel und andere heilige Gestalten. 
Das Ganze kann wohl als Entwurf des Wendel Dietrich 
angesehen werden. Nach Gmelin heifst es schon im ]ahre 1585 
in den Rechnungen der Iesuitenkirche „botenl0hn zalt Augs- 
burg etlich abrisz von Wendl herzutragen", im jahre 1585 kommt 
er selbst und zwei jahre darauf wird er mit 300 H. fest angestellt. 
Wolf Miller, der früher allgemein als Erbauer galt, auch auf einem
        

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