Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439196
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Teil. 
Zweiter 
in der hlichaelskirche erfahren, an deren einem sogar Schwarz 
und Candid zusammen arbeiteten. Bemerkenswert ist auch, dafs 
Kilian, als er den Erzengel von der Fassade der Michaelskirche 
stach, nicht das Originalwerk, sondern eine Aufzeichnung des 
Candid zum Vorbilde nahm, die wie ein Vergleich, den wir 
später anstellen werden, zeigen wird, in der ganzen Anlage und 
Formbehandlung sich zu dem Bronzewerke verhält, wie die 
Perseusgruppe zu der Zeichnung des Schwarz. 
Doch treten wir jetzt dem Werke selbst gegenüber! 
Inmitten eines steinernen Wasser beckens ruht auf bronzenem, 
reich verziertem Fufse eine mit Blumenornament und wasser- 
speienden Masken besetzte bronzene Brunnenschale, aus welcher, 
ebenfalls aus Bronze, ein F elsblock emporragt. Auf demselben 
liegt dahingestreckt die enthauptete Medusa, und Perseus, das 
in grauenvoller Schönheit gebildete Haupt derselben in der er- 
hobenen Linken haltend, schreitet über sie hinweg, wobei sein 
linker Fufs leicht den Körper der Erschlagenen berührt. Er 
trägt einen kurzen, reich mit Zierrat geschmückten Waffenrock, 
hochgeschnürte Sandalen, einen das Gesicht beschattenden Helm 
und hält in der nach hinten gestreckten Rechten die Harpe. 
Sein Haupt ist dem Gorgoneion abgewandt und ein Wenig ge- 
neigt, so dafs der Blick sinnend auf den Boden gerichtet ist, 
wobei er den wohlgegliederten Körper der Enthaupteten streift. 
Dieser hat sich im letzten Todesringen so gedreht, dafs der 
untere Teil desselben auf der Seite liegt, wobei das linke Bein 
gestreckt ist und über den Felsen herausragt, das rechte da- 
gegen gekrümmt und ein wenig angezogen ist, während die 
edelgeformte Brust, die hinter dem am Felsen schlaff herab- 
hangenden linken Arme sichtbar ist, sich gegen das Gestein 
prefst und der Hals auf der angezogenen Rechten ruht. Das 
Ganze ist in durchaus mafsvoller Weise so als Brunnenbekrönung 
benutzt, dafs aus dem Halse und dem abgeschlagenen Haupte 
der Medusa sich Wasserstrahlen in das Becken ergiefsen. 
Die Figur des Perseus kehrt ganz ähnlich auf einem nach 
Candids Entwurfe von Rafael Sadeler im Jahre 1604 angefer- 
tigten Stiche wieder: Michael im Kampfe gegen Luzifer, wo 
der Erzengel in ähnlicher Bewaffnung auf dem Feuer und 
Flammen sprühenden Ungeheuer steht, in der erhobenen
        

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