Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Peter Candid
Person:
Rée, Paul Johannes
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1437919
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1439189
Grottenhöfchen 
Das 
in 
Residenz. 
der Herzoglichen 
93 
schon mit Recht als einen Vorzug der Krumperschen Gufswerke 
vor denen des Gerhard hingestellt hat. Es ist etwas Scharfes 
und Konzises in den Werken Gerhards, während die Krumper- 
sehen Formen mehr Hiefsend und weich sind. 
Es ist der Geist des Candid, der alle diese Werke durch- 
zieht, derselbe, der uns die Iuno im Grottenhöfchen so sehr 
bewundern liefs. Ohne in einseitigen Formalismus zu verfallen, 
Welcher die Werke von Candids immerhin genialen Zeitgenossen 
Bartholomäus Spranger auf die Dauer so unerquicklich macht, 
Wufste Candid durch stärkere Betonung der dekorativen Seite 
aus der Sphäre seiner grofsen Vorbilder herauszutreten und sich 
dadurch ein Gebiet zu erwerben, auf dem er selbständig weiter 
bauen konnte. An idealem Gehalte und natürlicher lebens- 
voller Gestaltung fehlt es den Werken des Candid nie, ihren 
substanziellen Gehalt werden wir jedoch stets im Elemente des 
Dekorativen zu suchen haben. 
Fast möchten wir den Perseus den Kanon der Candidschen 
Kunstweise nennen, so sehr sind in ihm alle Eigenschaften der- 
selben, alle charakteristischen Eigentümlichkeiten vereinigt, frisch 
und voll sinnlicher Kraft, frei und leicht in der Bewegung ist 
alles an ihm nach Mafs und Gesetz gegliedert. Wie aus einem 
Kerne herausgewachsen erscheint das Ganze, organisch, blühend; 
nichts daran ist gekünstelt, sondern alles voller Empfindung. 
Wir vermögen natürlich nicht zu bestimmen, welche Beziehung 
Candid zu dem Werke hatte, ob er eine neue Zeichnung lieferte 
oder selbst die Modellierung übernahm, noch zu erklären, wie 
er überhaupt dazu kam, den Entwurf des Schwarz umzugestalten. 
Da wir darüber keine Nachrichten besitzen, so kämen wir über 
blofse Vermutungen nicht hinaus, und deren gäbe es genug. 
Es mag gestattet sein, einer derselben hier Raum zu geben: 
Der Entwurf des Schwarz lag vor und war zur Ausführung 
bestimmt, da kam Candid aus Florenz nach München, offenbarte 
gleich sein künstlerisches Können, man erkannte seine plastische 
Gestaltungskraft, man hatte vielleicht von ihm gehört, dafs er 
erst vor kurzer Zeit das Original des Cellini gesehen habe, und 
so entschlofs man sich dazu, ihm den Entwurf zur Umarbeitung 
zu übergeben. Dafs ein gemeinschaftliches Arbeiten unter den 
Malern Sitte war, werden wir später bei Betrachtung der Bilder
        

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