Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wandlungen im Kunstleben Japans
Person:
Fischer, Adolf Wada, Eisaku
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1434966
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1435753
Wird aber nicht auch von Unredlichen mit Religionen und 
anderen den Menschen heiligen Dingen Unfug getrieben, werden 
diese nicht auch oftmals zu unlauteren Zwecken missbraucht? Das 
Nackte deshalb aus der Kunst zu verbannen, Wäre kleinlich, Wäre 
Thorheit. 
Mit demselben Recht könnte man den Genuss geistiger Getränke 
verbieten, weil sich viele dadurch zu Grunde richten. 
Nachdem Fenollosa bei den Griechen den Missbrauch des Nackten 
zur Zeit ihres Verfalles im zweiten und dritten Iahrhundert vor 
Christus verdammt, preist er den Triumph der christlichen Kirche, 
die griechische und römische Ideale stürzte, das Nackte in der Kunst 
wie in den Sitten der Völker verbannte. 
Nur in bekleidetem Zustande stellte die Kunst, wie Fenollosa 
fortfährt. vom vierten bis fünfzehnten Iahrhundert den Menschen dar. 
denn bei den gesunden, moralischen und kräftigen Sitten der nörd- 
lichen germanischen Rassen, die nun die Oberhand hatten, konnte 
das Nackte nie und nimmer Platz greifen. Aber als im fünfzehnten 
Jahrhundert die klassische Kunst in Italien die sogenannte Wieder- 
geburt feierte, basierte diese auf dem Studium beschädigter Ueber- 
reste einer bereits verkommenen klassischen Kunst. 
Fenollosa führt ferner an, dass Während des fünfzehnten Jahr- 
hunderts Filippo Lippi, Boticelli und andere Zeitgenossen vor- 
wiegend bekleidete, und nur um mythologische Scenen zu verkörpern, 
nackte Figuren malten. Erst dem verdorbenen sechzehnten jahr- 
hundert blieb es vorbehalten, durchaus heidnisch und sinnlich zu 
werden, üble klassische 'l'raditionen lebten wieder auf und verdrängten 
christliche Tugend. 
Als eine widerliche Manier, meint Fenollosa weiter, kam dieser 
üble Brauch, das Nackte darzustellen, auf die meisten europäischen 
Künste bis auf unser ]ahrhundert: er verdammt die scheuss- 
liche Nacktheit kolossaler Rubensgemälde, die von dem Wahnsinn 
zeugen, griechische Anschauungen in nördliches Klima, auf nörd- 
liche Rassen zu verpflanzen. Seit dem Beginn unseres Iahrhunderts 
kam eine neue Triebkraft in die europäische Kunst, der Realismus, 
der darauf hinausging, unsere Zeit naturgetreu wiederzugeben. So 
wurde die klassische Freiheit, das Nackte in der Kunst darzustellen, 
durch die Behauptung der Kunstleiter, das Studium nackter Modelle 
müsse das Hauptstudium der Schüler bleiben, in erste Linie gerückt. 
Unter den vielen Gründen, die lilmollosa gegen die Darstellung 
des Nackten in der modernen Kunst anführt, ist der vorwiegend, 
dass europäische Frauen ganz besonders in der Anschauung erzogen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.