Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Wandlungen im Kunstleben Japans
Person:
Fischer, Adolf Wada, Eisaku
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1434966
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1435206
 Aber den Anordnungen des allmächtigen Ministers konnten 
sich die Vorsteher nicht widersetzen, und so wurde denn wider 
ihren Willen definitiv eine Abteilung für europäische Malerei ein- 
gerichtet.  
Zu diesem Zweck zog Kouroda mehrere ihm befreundete Maler. 
die dieselben Ziele wie er verfolgten, heran, und wer heute die 
europäische Abteilung der Kunstschule besucht, wird dieselbe 
folgendermassen organisiert linden:   
In einem massig grossen Atelier, das Nordlicht hat und sich 
von einem europäischen in nichts unterscheidet, arbeiten vor ihren 
Staffeleien etwa dreissig Schüler. 
Kaume, gleichfalls ein Schüler Rwlzaäl Collins, führt die Auf- 
sicht und lässt nach altgriechischen Statuen dreissig Stunden 
wöchentlich mit der Kohle arbeiten. 
An das Atelier des ersten Iahrganges stösst ein geräuniigeres. 
in dem gleichfalls mit Kohle gezeichnet wird, und zwar Akt, die 
Woche vierundzwanzig Stunden. Als besondere Auszeichnung er- 
halten die Schüler dieser Bilalklasse die Erlaubnis, zeitweise mit Oel- 
farben zu malen. 
Aufsicht des Malers lrhtjislzivna 
Korrekturen an den Arbeiten 
Obzwar dieser Jahrgang unter 
steht, behält sich Kouroda vor, die 
vorzunehmen. 
Die sechzehn Schüler des dritten Kursus Widmen vierund- 
zwanzig Stunden Wöchentlich der Aktmalerei in Oelfarben. Nach- 
mittags aber gehen sie bei günstiger Witterung ins Freie, um zu 
landschaftern. Auch die Arbeiten dieses Ateliers korrigiert Kouroda 
zweimal Wöchentlich. 
Im vierten und letzten Jahrgang treiben die Schüler wieder 
Aktstudien; den grössten Teil der Zeit beanspruchen jedoch die 
Vorstudien zur Meisterarbeit, ohne die kein Schüler das Reifezeugnis 
erhält. Da diese Arbeiten, zu denen die Schule alles Material und 
Modelle liefert, ihr verbleiben, so kann man in den Korridoren und 
Ateliers der europäischen Abteilungen einen Ueberblick über die 
Leistungen gewinnen, welche die europäische Richtung bisher ge- 
zeitigt hat. 
In einem Nebengebäude beiindet sich ein Atelier, in dem 
dreizehn Jünglinge Köpfe nach der Natur zeichnen; die Betreffenden 
sind Schüler, die sich nach dem ersten Jahrgang entschieden haben, 
nicht unter Kouroda, sondern unter Asai, einem Eleven des ehe- 
maligen italienischen Lehrers Fontanegi, ihr Studium fortzusetzen.
        

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