Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Anfaenge der griechischen Kuenstlergeschichte
Person:
Urlichs, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1427275
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1427630
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Man sieht, die Praepositionen wechseln, die Synchronismen der lydischen und per- 
sischen Könige begleiten die Zeitangaben: warum sollte das bei den Künstlern, 
deren in den Chroniken Erwähnung geschah, anders gewesen sein? Eben so gut 
wie in der Litteraturgeschichte, haben wir in der Geschichte der Künstler derglei- 
chen chronologische Daten so lange für richtig zu halten, bis wir den Irrthum 
nachweisen können. 
Allerdings ist eirciter nicht so genau wie än! oder der Ablativ; es enthält 
das Ganze und einen Bruchtheil mehr oder weniger. Wenn Philippus octavam 
circiter horam vom Forum nach Hause geht, so konnte das etwas weniger oder 
mehr als diese Stunde sein, gewiss war es nicht die 7. oder 8., so wenig wie der 
Feldherr, der Nachts um die zwölfte Stunde sein Grab verlässt, erst um ein Uhr 
aufsteht. Caesar marschierte selbst dies cireiter quindecim (bell. Gall. 1, 15. 2, 2): 
er wird doch gewusst haben, dass er nicht 14 oder 16 Tage unterwegs war; er langt 
hora diei eirciter quarta an der Küste von Britannien an und wartet ad horam nonam 
(ib. 4, 23); er hat einen Fluss vor sich, dessen Tiefe pedum circiter trium war 
(2, 18): so geübt wird Oaesars Auge wohl gewesen seiu, dass er einsah, der Fluss 
war nicht zwei und nicht vier Fuss tief, aber die Zolle konnte er nicht unter- 
scheiden. Bei grossen Zahlen sind natürlich auch die Bruchtheile grösser. 
Wir haben also das Datum bei Plinius eben so gut wie den Synchronismus 
für eine bestimmte Zeitangabe zu halten, wonach beide Künstler um Ol. 50, d. h. 
zwischen Ol. 49 und 51, vielleicht einige Jahre mehr oder weniger nach Sicyon 
kamen; dieses Datum selbst würden wir nur dann aufgeben, wenn es einenWVider- 
spruch gegen andere beglaubigte Daten enthielte. 
Auf dieses Datum gestützt habe ich behauptet, dass sie während der Regie- 
rung des Klisthenes dorthin kamen. B. hat mich missverstanden, wenn er meint, 
ich habe „n1einer Combination über die Zeit der Künstler" jetzt einen beschränken- 
den Zusatz hinzugefügt; er hat Unrecht, wenn er sie haltlos nennt. Mein Halt ist 
die von jener Combination der Künstler und der damaligen Regierung ganz unab- 
hängige Datierung ihrer Reise. Da sie, wie ich die letztere anilfasse, um Ol. 50 
sich in Sicyon aufhielten, mussten sie dort eine Zeit lang bis zum Tode des Kli- 
sthenes verweilen. Wenn ihnen der Fürst keinen Auftrag gab, mussten sie etwa, 
4-5 Jahre müssig dort leben oder Aufträge von Privatpersonen erhalten haben. 
Da nun von solchen Kunstfreunden nichts bekannt ist und eine vierjährige Musse 
sinnlos wäre, muss ihnen der Staat eine Arbeit übertragen haben, den Staat aber 
vertrat der Regent; publice sagt ja auch Plinius. B. meint freilich: „die Werte: 
„simulacra publice locaverant Sicyonii widersprechen geradezu der Annahme; 
„dass ein Tyrann die Bestellung machte". Der Thesauros in Olympia aber war 

        

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