Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Anfaenge der griechischen Kuenstlergeschichte
Person:
Urlichs, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1427275
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1427497
Zweitens handelt es sich um die Art der Vergrösserung, worüber ich a. a. O. 
verschiedene Vermuthungen geäussert habe. B. hat seine Ansichten geändert und 
leitet seine jetzige mit den Worten ein: „Wenn nun an dem fertigen ephesischen 
„Tempel das Verhältniss 1 : 1,88 betrug, beim Heräon zu Samos 1 : 1,77, beim 
„Oybeletempel von Sardes nur 1 : 1,74, warum soll es bei der ursprünglichen 
„Anlage des ephesischen Tempels, eines der ersten Dipteralbauten, dessen Beginn 
„dem des Heräon etwa gleichzeitig ist, nicht noch ungünstiger gewesen sein?'t 
Zur Erläuterung berechnet er, wie der älteste dorische Tempel, ein Peripteros 
in Sicilien, ausgesehen haben würde, wenn er ein Dipteros geworden wäre. Die 
Richtigkeit jener Prämissen zugegeben, scheint mir aus ihnen eine andere Con- 
clusion zu folgen: Da der ephesische Tempel auf jeden Fall etwas jünger war als 
der samische, das Alter des Tempels in Sardes unbekannt ist (er kann eben so 
Wohl unter Alyattes wie unter Kroesos erbaut worden sein), warum soll der ephe- 
sische Tempel nicht ein günstigeres Verhältniss gehabt haben? Mit vollem Rechte 
behauptet ja B. Kstlg. 2, 324 von jenen ältesten Architekten: „durch sie hat die 
„Architektur eine feste Regel, einen bestimmten Styl gewonnen; es gilt nun zu- 
„nächst nicht mehr, neue Formen aufzustellen, sondern auf der Grundlage des 
„Gewonnenen das Einzelne auszubilden oder in neuen Verbindungen anzuwendenß 
Jene Prämissen aber erlaube ich mir zu bezweifeln, wenn die gewöhnlichen 
Angaben über die Grösse der Tempel (Müller Arch. ä 80) richtig sind und B. 
nicht mir unbekannte Quellen benutzt. 
Der Tempel zu Ephesus mass 425 : 225' z: 1 : 1,88 
„ „ des Heraeon „ 346 : 189' z 1 : 1,83 
„ „ in Sardes „ 261 : 144' : 1 : 1,81. 
Drittens habe ich die Stelle des Solinus 40, 2 angeführt, wonach Xerxes den 
Tempel wegen seiner Pracht verschont hat. B. zweifelt, „ob diese Schonung wirk- 
„lich nur durch die Bewunderung des Kunstwerkes oder durch politische Rücksich- 
„ten bedingt war." Ich weiss es nicht; worauf ich aber Gewicht legte, ist, dass 
es erzählt werden konnte, d. h. dass der Gewährsmann Solins den Tempel als 
vorher vollendet betrachtete. Er gehtvon Xerxes sofort auf Herostratos über, 
von einer Vollendung in der Zwischenzeit spricht er nicht. 
 Viertens bestreitet B. meine früher von ihm gebilligte Behauptung, dass der 
ephesische dem Tempel der Diana in Rom zum Muster diente. Seine Bemerkung, „wie 
ngefährlich es sei, eine Angabe bei U. zu benutzen, ohne den genauen Wortlaut der 
„Quel1en im Zusammenhangs zu prüfen", ist gewiss begründet; ich glaube, sie gilt 
allgemein allen Angaben neuerer Schriftsteller gegenüber, von denen in diesem Falle 
auch z. B. Duncker (a.Gesch.4, 106) denselben anstössigen Ausdruck „zum Muster" 
ohne Weiteres gebraucht. Wenn man die Darstellung bei Dionys. 4, 25 ff. und Aur. 
Victor vir. ill. 7 allein läse, so würde man glauben, dass Servius Tullius durch das 
Beispiel des ephesischen Heiligthums allein dazu bewogen wurde, einen lateinisch- 
römischen Bundestempel zu bauen; wobei man sich wundern müsste, warum er
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.