Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Anfaenge der griechischen Kuenstlergeschichte
Person:
Urlichs, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1427275
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1427469
behaupte dies natürlich nicht; in meinem Aufsatz über die älteste samische Künstler- 
schule rhein. Mus. 10, S. 8 sagte ich ausdrücklich: „Wahrscheinlich behalfen sich 
„die Milesier in der gemischt barbarischen Zwischenperiode mit den Resten des 
"alten Tempels, dessen Oella sie nothdürftig hergestellt haben werden." Da aber 
Strabo und Solinus von einer Verbrennung dieses wie aller asiatischen Tempel 
durch Xerxes, ohne eine Verbrennung unter Darius zu erwähnen, reden, müssen 
sie ein unversehrtes Gebäudes vor Xerxes angenommen haben, und da B. beide 
Nachrichten, die des Strabo und des Herodot, combiniert, schien er mir einen Neu- 
bau voraussetzen zu müssen. Ich habe, wie sich jetzt ergibt, geirrti). Danach 
erhalten wir einen dürftigen Tempel, den Darius zum ersten Male, und einen noch 
dürftigeren, den Xerxes zum zweiten Male verbrannte. Die zweite Strafe scheint 
mir sehr kleinlich zu sein, ja wenn die Perser selbst die Sorge für den Tempel 
übernommen hatten und in ihm eine persisch gesinnte Priesterschaft waltete, geradezu 
gottlos. So nämlich erklärt B. das Orakel bei Herodot 6, 19, das, wie sich 
aus dieser Stelle und 6, 76 und 77 ergibt, kurz vor dem Kriege des Kleomenes 
gegen Argos gegeben war, also vor Ol. 67, 3, d. h. kurze Zeit nach dem skythischen 
Kriege des Darius, bei welchem damals Histiäus noch in hoher Gunst stand. Er 
hatte wahrscheinlich von dem Könige für den Tempel das Recht der Asylie aus- 
gewirkt, worauf sich die Milesier in Rom beriefen (Tac. an. 3,  Dass ein 
Tempel, zu welchem eine lange Reihe von Weihgeschenken und Statuen den Zu- 
gang bildete, selbst des Säulenschmucks entbehrte, kann ich mir nicht vorstellen. 
Da nun Histiäus nach Susa abreisen musste, mochte das Orakel die für Milet sich 
vorbereitenden Gefahren voraussehen. Es prophezeite der Stadt Milet den Unter- 
gang aal ö) äkoypt nollkotot ruföaq VÜlJOUGL xogr-rjraig, d. h. den Persern, dem Tempel 
eine Veränderung m05 6' rjparäpou Azöninct; äÄÄOLGL plalcrisaz sc. 17 oi; vöv. Wären diese 
neuen Pfleger die Perser selbst gewesen, so hätte es heissen müssen roilrousi; es 
sind also die Karier gemeint, welchen der Boden und die Ruinen des Heiligtliums 
überwiesen wurden. Sehr möglich, und das scheint Herodot sagen zu wollen, wenn 
er blos von dem Brande als Erfüllung des Orakels redet, dass die Ruinen gar 
nicht aufgeräumt wurden, wie ja auch der Speyerer Dom 10 Jahre nach dem 
Brande unbenutzt liegen blieb; vielleicht richteten die Karier als alte Herren des 
heiligen Bezirks einen neuen Dienst ein  den Griechen ging er so wie so 
verloren. 
 
 Brunns Worte sind: „Von welcher Art der zerstörte alte Tempel war, wissen wir nicht, 
„keine Spur weist dahin, dass er zu den im letzten Jahrhunderte vor seinem Brande errichteten 
"dorischen oder ionischen Siiulenbauten gehört habe. War er einfacher, etwa ein blosser Cellenbau, 
„so war für Zwecke des Cultns vielleicht nur eine neue Bedachung und eine nothdürftige innere Ein- 
"richtung nöthig. Die Hauptsache war zunächst der ununterbrochene Fortbestand des Orakels. Der 
"1689 zerstörte Dom von Speyer z. B. war doch schon längst vor seiner gründlichen Erneuerung in 
,unseren Tagen dem Cultus wiedergegeben". 
 Diess ist mir jetzt wahrscheinlicher, als dass der erzürnte Darius nach der Zerstörung 
von Milet dem Tempel irgend eine Gunst erwies.
        

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