Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Anfaenge der griechischen Kuenstlergeschichte
Person:
Urlichs, Ludwig
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1427275
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1427436
Ganz verschieden ist endlich das Zeugniss des Pausanias. Er weiss. nichts. 
von der Zerstörung, nichts von der Flucht der Branchiden, sondern spricht von 
einer Strafe, welche Xerxes den Milesiern wegen ihrer bei Salamis bewiesenen 
Feigheit auferlegt habe. indem er die Statue des Apollo nach Ekbatana entführte. 
Schon das Motiv widerspricht der Vermuthung Brunns, dass er diess aus den mi- 
lesischen Tempeltraditionen geschüpft habe, ebenso die Zusammenstellung mit dem 
Raube aus Brauron. 
Nehmen wir aber auch an, dass diese von einander gesonderten Berichte zu- 
sammenfallen, dass die persisch gesinnten Branchiden dem Xerxes unter andern 
Weihgeschenken die Statue des Kanachos zugeführt haben sollen, so frage ich: 
wie war dies nach der Schlacht bei Mykale möglich? Alle Nachrichten von jener 
Flucht stimmen darin überein, dass sie auf Befehl des Xerxes und mit ihm zusam- 
men nach Oberasien gingen. Die geographische Unmöglichkeit leuchtet ein. Wäh- 
rend der Schlacht hielt sich Xerxes in Sardes auf, nach der Schlacht ging er zu- 
rück. Wären nun die Branchiden mit ihren Schätzen und mit ihrem Koloss auf 
der Flucht zu ihm gestossen, so musste entweder Xerxes ihnen südlich entgegen 
gehen, auf die Gefahr hin von den Griechen gefangen zu werden, oder sie mussten 
etwa durch das Thal des Maeander einen Weg nach Tripolis suchen. Und dann 
hätten ihnen die Griechen, wenn sie des Morgens den Tempel leer fanden, nicht 
ein paar Reiter nachgeschickt? und wo bleibt dann die Strafe, von der Pausanias 
redet? warum strafte Xerxes die Milesier wegen ihrer Feigheit bei Salamis, wo sie 
doch mit den Persern, warum nicht wegen ihres Benehmens bei Mykale, wo sie 
gegen seine Truppen gekämpft hatten? Allerdings scheint B. noch einen Zwischen- 
zustand zwischen Befreiung und Unterthänigkeit der Milesier nach der Schlacht 
anzunehmen. Er meint S. 528: „Sie [die Griechen] kümmerten sich, wie wir ge- 
„sehen, absichtlich nicht um die ionischen Städte, und diese hatten sich daher auf 
„eigene Hand von ihren persischen Satrapen, deren Schutzwachen und Besatz- 
„ungen zu befreien. Es wird dabei gewiss nicht ohne mannichfache Verwüstungen 
„abgegangen sein" u. s. W. Nach Herodot 9, 103 f. verhielt sich die Sache 
anders. Die Schlacht war geschlagen, in welcher nach den Samiern die übrigen 
HIonier abfielen, die Milesier vernichteten die Perser auf dem Rückzuge: oÜ-cw övf 
16 öedrspov Üwvfvr, (im) llspsäwv einsam-q; von zurückgebliebenen Besatzungen ist keine 
Rede. Erst nachher berathen die Griechen, 0b sie die befreiten Ionier des Fest- 
landes dort lassen und schützen oder nach Griechenland führen sollen. Wären 
noch Perser in den Städten geblieben, so hätte eine solche Zurückführung nicht 
ohne Kampf geschehen können. 
Dies erhellt aus den Worten Herodots; noch ausdrücklicher aus dem Berichte 
des Ephoros bei Diodor 11, 36 f., wonach auch die Aeoler nach der Schlacht auf- 
standen, die Griechen ein Bündniss mit den Ionern und Aeolern schlossen, dann 
ihnen riethen, auszuwandern, weil sie sonst mächtige Feinde zu Nachbarn 
(dnripouc) haben würden, da aber die Athener ihnen auf alle Fälle ihre Hülfe zu-
        

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