Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425559
der Antike. 
mit 
im Vergleich 
Detail 
und 
grosse 
plastische 
Contraste , 
gewaltige 
Bewegungen 
als 
Motive"  
Wohl hat nach dem Allen H. Grimm Recht, wenn er es für eine 
hohle Phrase erklärt, dass Vasari meint, in seiner Aurora habe 
Michelangelo die Antike übertroffen; wohl hat er Recht, wenn er 
hinzufügt, die Venus von Melos allein würde in lächelnder Schönheit 
aufsteigen und aller modernen Statuen spotten, von denen man wagen 
wollte sich einzubiltlen, sie hätten die Arbeiten der griechischen 
Meister auch nur erreicht, und W0l1l mag er endlich auch nicht mit 
Unrecht sagen, dass wenn Michelangelo seiner Aurora dieselbe Stellung 
gegeben hätte wie die der Venus und beide in Stücke zerschlagen wären, 
auch diese noch als ebenso total verschieden zu erkennen sein 
würden, wie die Zeiten und Menschen Michelangelos von denen des 
alten Hellas es wirklich waren; denn der Kenner würde gewiss im 
Stande sein, auch in kleinen Bruchstücken noch die beiden bisher be- 
sprochenen Arten von Behandlung der Oberlläche des Körpers heraus- 
zufinden. Noch viel gewisser ist nun aber hier das Umgekehrte: 
wenn die Aurora des Michelangelo von einem wiederauferstaiidenen. 
Griechen mit der ganzen Fülle des Reizes der Erscheinung, wie die 
herrliche Körpergestalt der Venus von Melos übergossen werden 
könnte, dabei aber ihre Stellung beibehielte; oder, um mich wie 
Grimm auszudrücken, wenn der Grieche seiner Venus die Stellung 
der Aurorades Michelangelo zu geben fähig gewesen Wäre, so hätte 
er uns eben nicht seine in voller sinnlicher Schönheit selig zufriedene 
Göttin dargestellt, sondern die moderne Sehnsucht des erwachenden 
Morgens, und dies würde nicht nur der Kenner herausfinden, sondern 
t) a. a. O. S. 484. Ich trage dies Citat als Ausdruck einer ähnlichen Auf- 
fassung Wie meiner obigen hier nach, da ich es zur Zeit, als ich letztere zuerst 
formulirt habe, noch nicht kannte. Ich könnte wohl bei dieser Gelegenheit das 
Eine oder Andere etwas einschränken, da ich seitdem erst noch mehr Werke 
von Michelangelo kennen gelernt und mich überzeugt habe, dass er doch auch 
gelegentlich sehr zart natürlich lebendige Körperformen gemacht hat, wie z. B. 
die des Giovannino in Berlin (s. u. S. 114). Aber ich unterlasse es, da doch im 
Ganzen der oben charakterisirte Gegensatz zwischen seiner Art von Modelli- 
rung des Körpers und der antiken vorherrschend-bleibt. Ich halte es um so mehr 
für miissig, dies jetzt hier näher zu präcisiren, da diese ganze Betrachtung 
doch gegenüber dem Hauptthema dieses und des folgenden Vortrages mehr nur 
eine einleitende Bedeutung hat. 
        

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