Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425511
Vergleich 
Antike. 
mit der 
auch thut, gedungene lebende Modelle zum Oopiren, Sitzen oder Stehen, 
sondern sahen die frischen Körper der Jünglinge in der Ringsehule 
sich nach Lust frei bewegen, und nicht nur sie hatten um ihrer Kunst- 
übung willen diesen Anblick aufzusuchen, sondern das ganze Volk, 
das ganze Publicum, für das sie arbeiteten,_kannte ihn, interessirte 
sich für die vollkommenste Ausbildung der Gestalt und Geschmeidig- 
keit des eigenen Leibes so, dass es ihn kannte, wie wir nur die Ge- 
sichter kennen; die Künstler aber waren nur die besonders begabten 
Organe, die das, was Alle sahen und kannten, auch nachbildenddar- 
zustellen verstanden. Darin liegt, wie Hermann Grimm bereits mit 
Recht hervorgehoben hat, der grosse Vorsprung, den dies Geschlecht 
in der freien Auffassung der zarten Biegungen unserer Körpergestalt 
vor jedem modernen Künstler haben musste. Sie lernten diese Formen 
kennen, wie wir unsere Muttersprache lernen; der Moderne muss sie 
wie eine fremde nach grammatischen Regeln in der Schule lernen, 
d. h. in der Anatomie. Es kommt dazu, dass der Körper jenes Ge- 
schlechtes, das zwar nicht wie die Wilden für gewöhnlich nackt ging, 
aber sich unter dem milden Himmel doch sehr frei in wenigen 
weichen, weiten Gewändern bewegte, wirklich eine vollkommenere 
natürliche Entfaltung seiner freien Oberfläche hatte, als bei uns, wo 
die fester umhüllenden Kleider ihn für gewöhnlich wie eine zweite 
Haut umschliessen, die Haut selbst mehr gegen die unterliegenden 
Theile angepresst wird, sodass der entkleidete moderne Mensch gar 
nicht ganz der natürliche nackte ist. 
Man kann sich leicht vorstellen, wie das Ergebniss der unmittel- 
baren Anschauung des Lebens ausgefallen sein muss, und man weiss, 
dass es so ist, aus den erhaltenen griechischen Werken. Der Gegen- 
stand, der ihren Blicken direet vorlag, war nur derselbe, den sie auch 
direct darzustellen hatten, die n1it der Haut bekleidete äussere Ober- 
fläche. Ihre Form hängt natürlich von den festeren unterliegenden 
Theilen, besonders den Knochen und Muskeln ab, welche von der 
Haut nur ziemlich gleichmässig überzogen sind, und, wer sie kennt, 
erkennt sie auch durch die Oberfläche der Haut, welche von' ihnen 
vorgewölbt wird; aber dennoch treten ihre Abgrenzungen nirgends 
ganz scharf, ihre Rundungen nirgends ganz unvermittelt hervor. 
Die Haut mit dem Fett darunter hat doch auch noch wieder 
verschiedene 
Dicke, 
verschiedene 
Grade 
der 
Festigkeit 
und 
Elasti-
        

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