Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425451
Blickes. 
insbesondere 
diese Gefühle vom Halse schaffen, und ferner, dass nun diese dunkle 
Bedürfnissempiindung im Halse wirklich immer noch eine Art von 
Befriedigung erfährt, wenn die Schleimhaut da hinten im Halse 
durch das weite Mundaufreissen und tiefe Lufteinschnappen beim 
Gähnen zu einer gewissen kräftigen Entfaltung und Berührung mit 
frischer Luft gelangt. Ich möchte diese Hypothese vom Gähnen als 
einer rudimentären Einathmung durch die Kiemen als einen Typus der 
Art hinstellen, wie wir nach Darwin versuchen können, uns die Ent- 
stehung der rein mimischen Bewegungen überhaupt zu erklären. 
Fassen wir das Ergehniss unsererBetrachtungen zusammen, so haben 
wir erstens die an sich zunächst vollkommen unerklärliche Erscheinung, 
dass die im engeren Sinne sogenannten mimischen Bewegungen, wie 
Lachen, Weinen und (lergL, Veränderungen der Gestalt des Gesichtes 
darstellen, welche ohne Willen, Zweck, Absicht und Erfolg dennoch 
erfahrungsmässig auf den Anstoss von einer gewissen geistigen Erregung, 
die wir Stimmung nennen, erfolgen, und also ebenso erfahrungsmässig 
als Ausdruck derselben von uns gedeutet werden; zweitens den voll- 
kommen verständlichen Vorgang, dass Bewegungen theils unzweifel- 
haft (oder bewusst) willkürlich, theils doch in Folge unbewusst init- 
wirkender Motive neben dem lYillen, mit Zweck und Absicht aus- 
geführt werden und den beabsichtigten Erfolg auch herbeiführen, wie 
der Blick mit Allem, was dazu gehört, und dass sie diese Absicht mit 
der Gesinnung, aus der sie hervorgeht, und ihrer Beziehung; auf die 
Stellung des Menschen zur Welt, insbesondere zu anderen Menschen 
erkennen lassen oder zum Ausdruck bilden. Dass wir sie darin 
erkennen, beruht freilich in der Regel meist auch in diesem Falle 
nur auf Erfahrung und Gewohnheit; drittens aber können auch an 
sich zwecklose Bewegungen auf Anregung oder Anstoss von inneren 
Absichten oder Ansätzen zu solchen in Gang kommen, weil man ge- 
wissermassen unverständiger Weise etwas damit zu erreichen meint; 
besonders aber kann ein solches zweekloses Bestreben aus einem 
inneren Antriebe, eine Bewegung noch irgendwie zu gebrauchen, mit 
der doch nichts erreicht wird, als eine uralte Gewöhnung betrachtet 
werden, die sich darauf zurüekführt, dass sie einmal in Zuständen des 
Lebens bei den thierischen Vorfahren, von denen wir nach der Darwin'-' 
sehen Theorie abstammen sollen, irgend eixien Zweck gehabt hat. 
Dem höheren oder geringeren Grade der Verständlichkeit bei den
        

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