Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425440
Gesichtes, 
Der Ausdruck des 
eine 
rudimentäre, 
als ein Ueberbleibsel von solchen Functionen auf- 
fassen, Welche bei den urvorzeitlichcn Vorfahren einmal einen Zweck 
gehabt haben und nun auch ohne einen solchen doch noch etwas fort- 
gesetzt werden. Die Function der Nerven an den Kiemcnspalten der 
Fische, welche durch Kiemen athlnen, besteht wohl darin, dass durch 
sie zuerst das Bedürfniss der Athmung empfunden und dann die Be- 
wegung der Athmung eingeleitet wird, durch welche dies Bedürfniss 
seine Befriedigung erhält, ganz analog, wie das Gleiche auch bei der 
Regulirung unserer Athmung durch die Lungen von solchen Nerven- 
apparaten vermittelt wird. Man nennt es Reflex, wenn die Wechsel- 
wirkung sich ohne bewusste Empfindung und Absicht in dem Nerven- 
apparate abspielt. Es kann sich aber jeden Augenblick auch durch 
Empfindung des Athmungsbedürfnisses und hinterher seiner Befriedigung 
zu erkennen geben. 
Ganz ein gleiches Verhältniss, wie bei solchen Empfindungen von 
Bedürfniss und Befriedigung, welche die Redexbewegungen der Athmung 
begleitet, findet  nun, wie gesagt, auch beim Gähnen statt, und der 
Ort, wo wir dabei etwas empfinden, ist ungefähr derselbe, wo bei den 
Fischen die Kiemen liegen, und wo sie auch bei uns liegen würden, 
wenn die Anlage dazu, die wir im Mutterleibe auch einmal gehabt 
haben, sich ausgebildet hatte. Wir haben auch da noch dieselben 
Nerven, welche die Fische an ihren Kiemenspaiten haben, und welche 
auch bei uns im Anschlusse an die Anlage derselben entstanden sind. 
So Ware also das Gefühl des Bedürfnisses zum Gähnen und seine Be- 
friedigung durch (las Gähnen nur ein rudimentärer Rest oder Nach- 
klang des Bedürfnisses zum Atlnnen durch Kiemen und seiner Er- 
füllung durch diese Art der Athmung, wie es die Urvorfahren der 
Säugethiere und des Menschen empfunden haben; nur dass der Grund 
zu beiden nicht mehr existirt, weil wir keine Kiemen haben und also 
auch nicht damit athmen können. Man kann sich nun nur vorstellen, 
dass diese uralten Anklänge oder Erinnerungen von einem Bedürfnisse, 
einer anfrisehenden Berührung der Gegend im Schlund, wo unsere 
Ururvorfaliren, wie jetzt noch die Fische, ihre Kiemenspalten gehabt 
haben, und wo wir sieauch haben würden, wenn wir sie noch hätten, 
in Folge einer dunkeln alten Angewöhnung immer wieder erwachen, wenn 
wir schläfrig sind oder uns langweilen, als müsste uns eine Erfrischung, 
wie sie unsere Vorfahren beim Atlnnen durch Kiemen gehabt haben,
        

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