Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425406
Gesichtes, 
Der Ausdruck des 
dass dieser zwecklosen Anstrengung eine innere Ursache, eine nur 
unrichtig berechnete Absicht zu Grunde liegt. Wir können uns 
denken, der Mensch sei in der Vorstellung befangen, dass er zum 
Zwecke des Schirmes oder des Schutzes der Augen gegen unan- 
genehme äussere Einwirkungen noch andere Hülfsmittel habe, als 
die Hebung oder Senkung seiner Augenlider, und er versuche also 
beständig, dieselben zu brauchen, könne es aus festeingewurzelter 
Gewöhnung nicht lassen, es immer wieder zu versuchen, auch wenn 
es nie etwas geholfen hat, und weiter, er gerathe in diesem zweck- 
losen Arbeiten mit einem unwirksamen Apparat in eine Art von 
Unbefriedigung, in eine Unruhe, welche durch anderweitige Aufregungen 
gesteigert, nun auch zu entgegengesetzten Anstrengungen führen kann, 
oder dazu, dass ein innerer Streit der Gefühle sich in verkehrter Com- 
bination der theils wirksamen, theils unwirksamen Bewegungen äussert. 
So würde denn bald diese bald jene Art von Brauen- und Stirnrunzeln 
zum Ausdruck so mancher Art von innerer Erregung oder Anstrengung. 
Und hier knüpft sich nun wohl am natürlichsten eine Berührung, 
des Gedankens an, auf den der berühmte Darwin eine Erklärung der 
mimischen Bewegungen zu gründen versucht hat. Derselbe hängt mit 
seiner weltbekannten Descendenztheorie zusammen, er ist, kann man 
sagen, eine Anwendung derselben, nur dass er ihn, wie er selbst 
bezeugt, früher gehabt hat als diese seine grosse Auffassung von der 
Entstehung der Lebewesen und mit von diesem Gedanken aus erst auf 
diese seine Theorie gekommen ist. Und dann gehört eigentlich noch eine 
Hypothese dazu, um diesen Gedanken durchzuführen; es ist die von 
Hering aufgestellte Ansicht von Erinnerung als einer Eigenschaft oder 
Function des Menschen oder aller organischen Substanz, welche bis 
auf Zustände und Eindrücke zurtickreichen kann, die weit vor aller 
persönlichen Erfahrung und Existenz liegen. Darwin nimmt an, wenn 
der Mensch von niederen oder einfacheren thierischen Organismen ab- 
stammt und wenn solche Organe, die bei letzteren bestimmte nöthige 
Functionen gehabt haben, beim Menschen aber nicht mehr, doch 
auch bei ihm noch existiren und doch auch noch zu einer Funetion 
fähig sind, dass diese Function, wenn auch zwecklos, immer noch 
fortdauert und von irgend einem inneren Anstoss bedingt wird, 
der einmal in einer Beziehung zu dem Zwecke der Function bei 
niederen Thieren gestanden hat oder zu der fortdauernden Function
        

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