Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425388
Gesichtes, 
Der Ausdruck des 
einander gebunden. Für das Heben der Brauen und des oberen 
Augenlides haben wir ganz verschiedene Muskeln, die auch von ver- 
schiedenen Nerven abhängen, den einen für das Lid (Levator palpebrae) 
im Innern der Augenhöhle, wo auch die Muskeln liegen, die das Auge 
selbst bewegen, die anderen für Stirn und Augenbrauen auf der 
Stirn. Die zur Schliessung der Lider und Herabziehung der Brauen 
bilden einen Complex, der sich nicht rein in mehrere zerlegen lässt, 
und auch der Augenbrauenrunzler steht im Zusammenhange mit ihnen; 
aber wir können sie doch ganz getrennt brauchen. 
Es kommt nun mehrfach vor und erscheint auch als ganz natür- 
lich, dass sich diese Bewegungen so untereinander combiniren, wie 
sie im Erfolg zusanimenstimmen, theils bei willkürlichem, theils bei 
unwillkürlichem Oeffnen und Schliessen der Augen. Das Oeffnen ist 
das Willkürliche, weil es den Zweck hat, mit den Augen zu sehen. 
Ein plötzlicher Eindruck, ein Schreck über etwas, was uns über- 
raschend entgegentritt, veranlasst uns zum Hinsehen mit plötzlich ge- 
steigerter Aufmerksamkeit, also zu energischem Aufsperren der Augen, 
mögen sie zuvor auch schon offen gewesen sein. Und als müssten wir 
nun Alles einsetzen, was dazu mitwirken kann, reissen wir auch die 
Haut um das Auge auseinander, und besonders nicht nur das Augen- 
lid, sondern auch die Brauen in die Höhe, obgleich dies ja zur Er- 
reichung des Zweckes, zum Sehen gar nichts hilft, weil das Auge selbst 
dadurch nicht weiter geöffnet wird. Aehnlich combinirt sich eine 
krampf hafte Zusammenziehung der Umgebung des Auges und be- 
sonders Heranziehung der Brauen an dasselbe und an die Nase mit 
einem mehr uinvillkürliclien, hastigen Schlusse des Auges, nämlich 
dann, wenn es durch einen fremden Körper, der hineinkommt, oder 
auch durch eine krankhafte Empfindung dazu gereizt wird, obgleich 
auch hier der Schutz des Auges, der durch den Schluss bewirkt 
werden soll, auf diese Art nicht mehr und nicht weniger erreicht 
wird. Es ist in beiden Fallen, als bildeten wir uns einfoder hatten 
das Gefühl, als könnten wir so noch etwas mehr thun, um zu er- 
reichen, was der Zweck des Augenschlusses ist, weil die über- 
flüssige Anstrengung, die wir machen, doch einen Erfolg hat und ahn- 
lich aussieht, als wenn man die Augen noch mehr aufthun oder 
schliessen könnte, als eben auf oder zu. "Wir sehen dies "zwar selbst 
nicht, aber für Andere sieht es so aus. 
        

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