Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425313
insbesondere des Blickes. 
zu können. Also zum Sehen nach links mit Betheiligung des ganzen 
Oberkörpers gehört allemal als Vorbedingung, dass das rechte Bein 
Standbein ist, oder, wenn es zuvor nicht so war, ist der Uebergang in 
diese Stellung die nothwendige Vorbereitung zu dieser Drehung. 
Wenn man sich nun auf diese Art nach einem Gegenstande, ins- 
besondere nach einem Menschen, ihn anblickend hinwendet, mit Augen, 
Kopf und ganzer Figur, also auch auf und mit den Füssen nach ihm 
hinum geht, so ist dies, kann man sagen, die gründlichste oder aus- 
drücklichste Art es zu thun. Nicht nur, weil damit der Zweck nach 
ihm hinzusehen am gründlichsten erreicht wird; dies könnte oft 
auch ohne so viel Anlauf ebenfalls geschehen; sondern weil es auch 
am meisten den Willen und die Absicht ausdrückt, sich, indem man 
ihn anblickt, nun auch ganz an ihn hinzugeben oder mit ihm zu be- 
schäftigen oder ihm entgegen zu kommen. Denn das nach ihm hin 
Drehen des Oberkörpers ist eben der Ausdruck oder die Vorbereitung 
dazu, ihm auch entgegen zu gehen. Es ist jedenfalls die verbind- 
lichste oder höflichste, anständigste Art auf eine Begegnung ei11zu- 
treten. Wenn man sich dagegen im Stehen und Gehen nur mit Kopf 
Lind Augen nach Jemand umsieht, aber in der Stellung auf den Füssen, 
in der man sich eben befindet, bleibt und auch dann bleibt, wenn 
sie eben nicht die bequemste ist, um mit dem ganzen Oberkörper der 
Bewegung in der Richtung des Blickes auf ihn zu folgen, d. h. also 
z. B. wenn man sich nach rechts umsieht und dabei auf dem rechten 
Fusse stehen bleibt, so ist dies schon eine nachlässigere Art, sich nur 
mit Kopf und Augen zum Eingehen auf ihn herbeizulassen. Ich wähle 
als Beispiel für diese beiden Arten, sich auch mit den Füssen umzu- 
sehen oder nicht, ein paar Bilder von Paul Veronese in der Gallerie 
zu Dresden. Denn in der Darstellung solcher feinen Züge des 
Ausdruckes der Bewegungen, welche den Umgang vornehmer Leute mit- 
einander oder auch mit Anderen charakterisiren, ist gerade dieser 
Maler und überhaupt die venetianische Schule stark. Das eine stellt 
Christus in der Begegnung mit dem Hauptmann von Oapernaum dar. 
Im Gehen angehalten, wendet er sich linkswarts nach dem Verehrer 
um, der vor ihm niederkniet, tritt aber schnell zuvor auf den rechten 
Fuss, und dadurch erhält die Begegnuug den Ausdruck des vollen 
Entgegenkommens. Aber die Tochter Pharaonis, die den Moses Endet, 
blickt zwar auch aufnlerksaan nach dem Kinde hin und hat es ja, viel
        

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