Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425297
des 
insbesondere 
Blickes. 
57 
wir so blicken, selbst ist, der dies sofort bemerkt, so fühlt er, dass 
wir ihn unmerklich ins Auge fassen, beobachten wollen, oder auch, 
wenn wir nun diesen Blick vor dem seinigen nicht zurückziehen, 
dass wir ein nur Andern möglichst verborgenes, stilles Einverständniss 
mit ihm suchen wollen. 
Wenn man dagegen den Blick recht eigentlich und ausdrücklich 
einem Gegenstande zuzuwenden sich entscheidet, so hilft man nicht 
nur der Drehung der Augen zu ihm hin mit einer gleichen des Kopfes 
nach, sondern Wendet ihm das ganze Gesicht, oder womöglich gleich 
den ganzen. Körper so vollständig zu, dass man nun gar nicht mehr 
nöthig hat, auch die Augen im Kopfe nach ihm hin zu drehen, 
sondern sie nur gerade aus dem Kopfe heraus auf ihn hinzurichten 
braucht. Das macht den Eindruck, dass der, welcher sich so total 
zu diesem Zwecke in Positur setzt, förmlich und feierlich, oder u1n- 
ständlich nach dieser Seite hin sein Licht leuchten lassen oder seine 
volle Hingegebenheit bethättigen will. 
Und nun können dieselben Arten des Blickes, entweder mehr 
nur mit Drehung der Augen im Kopfe oder mehr des Kopfes auf dem 
Halsc, ähnlich wie sie je nach Veranlassung und Absicht zweierlei 
Ausdruck geben, auch verschiedenen Menschen darum eigenthümlich 
sein und einen für dieselben charakteristischen Ausdruck bedingen. 
Der Eine bewegt beim Blick den Kopf nur wenig, die Augen desto 
mehr, der Andere Wendet sich immer mit de1n Kopfe oder dem ganzen 
Oberkörper dahin, wohin er sehen will. Diese Gewohnheiten ent- 
stehen aus der Neigung, sich vorzugsweise oft in der einen oder 
anderen Art, wie oben beschrieben, umzusehen, entweder versteckt, 
zurückhaltend, heimlich lauernd, oder feierlich, deutlich ausdrück- 
lich, breitspurig. Dies wird dann zum Charakterzug; die Menschen, 
die sich mehr nur mit den Augen umsehen, machen einen knappen, 
vorsichtigen, reservirten Eindruck; die, welche immer gleich mit dem 
ganzen Kopfe herumgehen, einen plump lzudringlichen, feierlich oder 
wichtigthueilden, am Ende gar dummdreisten. 
Endlich gicbt es doch aber noch eine dritte Art von Bewegung, 
mit der wir häufig nachhelfen, um den Blick hin und her, d. h. (10011 
innner vor Allem nach der einen oder anderen Seite hinzuwenden, 
und dabei ist dann der ganze Körper betheiligt. Denn so lange der 
Rumpf in Ruhe bleibt, können wir eben fast nur den Kopf auf dem
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.