Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425274
insbesondex-e des Blickes. 
"elektrische Strahlung" (nach Carus, s. o.) aus den Augen hervor 
auf sich eindringen, zu sehen. 
Nun wirkt noch Allerlei sonst beim Ausdrucke des Blickes mit, 
was im Zusammenhange der Richtung des Blickes auf seinen Gegen- 
stand geschieht oder den Gang desselben beeinflusst. Dahin gehört 
die grössere oder geringere Schnelligkeit oder Häufigkeit, mit der 
man die Richtung und also den Gegenstand des Blickes wechselt. 
Daher kann man einen langsamen und schnellen, unstäten und ruhigen 
Blick und drgl. unterscheiden (Piderit) und kann darin wie in anderen 
so oder so ausgeführten Bewegungen den Ausdruck einer hastigeu 
oder bedächtigen, zerstreuten oder gesammelten Stimmung, oder, wenn 
solche Bewegungsarten einem Menschen gewohnheitsmässig eigen sind, 
eines zu dieser oder jener Stimmung disponirten Charakters erblicken. 
Im Ganzen weiss ich aber nicht viel davon zu rühmen, Wie dies 
gerade besonders beim Blick sehr deutlich hervortreten soll, weil die 
Bewegung seines Wechsels doch meist eine so wenig verweilende und 
so wenig in die Augen fallende ist, dass ihr Ergebniss als schon 
Wieder stillstehend, als neuer fertiger Blick bemerkt wird. 
Am meisten, finde ich, wird noch der Ausdruck der Einstellung 
des Blickes dadurch beeinflusst, wie man die beiden Bewegungen 
combinirt, die zusammen diese Einstellung bewirken, nämlich die 
Drehung der Augen im Kopf und des Kopfes auf dem Halse. Das 
Natürliche und Gewöhnliche ist, dass man halb die eine, halb 
die andere in Uebereinstimmung benutzt, um den Blick hier oder 
dahin zu wenden, während der ganze übrige Körper in Ruhe bleibt. 
Also der Kopf wird etwas, die Stellung dcr Augen im Kopfe auch 
etwas nach der Seite hin gedreht, wohin man blickt. Jeder Mensch 
macht dies im Allgemeinen so, wenn auch beim einen diese, beim 
andern die andere, oder ein Mal diese, ein ander Mal die andere 
Art (ler Drehung etwas überwiegt oder zurücktritt. Daher ist es 
eine Dummheit, wenn ein Photograph, wie dies häufig vorkommt, 
einen Menschen, dessen Bild er aufnehmen soll, zuerst auffordert, sich 
recht bequem hinzusetzen, ihm dann in dieser Stellung den Kopf mit 
einem Apparat feststellt, und nun hinterher ihm plötzlich noch vor- 
schreibt, seinen Blick nach einer anderen Seite zu Wenden. Denn 
dies muss nun gezwungen und unnatürlich herauskommen und sieht
        

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