Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425262
Der Ausdruck des Gesichtes, 
blickt, insbesondere wenn dies wieder der Kopf eines Menschen ist, 
ein Hauptgrund des Ausdruckes liegt, mit welchem der Blick des 
Menschen auf Andere Eindruck macht. Man wird von vornherein 
geneigt sein, dies doch für zu wenig bedeutend zu halten. Es be- 
weist ja an sich nicht viel mehr, als dass der Eine den Andern 
eben ansieht, ihn also sehen will, nur dazu noch, dass er nicht nur 
einmal nach ihm hin oder sich umsieht, wo er ist, was er macht, sondern 
dass er doch auch den vollen Eindruck von seinem Gesichte haben 
will. 
Aber 
damit 
erhebt 
sich 
denn 
doch 
auch 
das 
blosse 
Dahin- 
blicken zu der ausdrücklichen Bethätigung eines für den Augenblick 
ausschliesslichen Interesses an dem ins Auge gefassten Gegenstande, 
also des Menschen; damit erhält gleichzeitig Alles, was sich 
sonst in Gesicht und Geberde, oder etwa noch dazu in Worten, an 
Freude oder Trauer, an Zorn oder Herzlichkeit ausdrückt, die be- 
stimmte persönliche Beziehung auf eben diesen Gegenstand des Blickes, 
und das ist dann eben oft im Leben das Bezeichnende und das 
Packende an dem Ausdruck jeder Stimmung oder Gemüthserregung, 
dass sie direct in das persönliche Verhältniss von Mensch zu Mensch 
einsetzt, besonders für die Betheiligten. Die Wirkung des Blickes 
ist doch immer vorzugsweise eine Wirkung auf den, der davon 
getroffen wird und sich davon getroffen fühlt, und da kommt eben 
die Stellung des Gesichtes von dem, der blickt, zu dem, den 
er anblickt, so wirksam zur Geltung, weil sie, wie schon gesagt, auf 
Gegenseitigkeit beruht, weil also der so Angeblickte sofort auch das Ge- 
sicht des Anblickenden ebenso gerade dem seinigen gegenüberstehen 
sieht, ebenso den vollen Eindruck desselben mit Allem, was sich sonst 
eben in ihm ausdrückt und ausspricht, erhält und also von diesem allen 
als auf sich gemünzt getroffen wird. Das macht die ein- und durch- 
dringende Wirkung des Blickes der sanften Rührung und der Liebe, 
wie des Zornes und Hasses auf den, dem Beides gilt. Und wenn man 
dann nun eben diese Stellung des Gesichtes, oder der beiden Gesichter zu 
einander, vor Allem an der gegenseitigen Lage der hervorleuchtendsten 
Stellen im Gesichte, d. h. an den Augen erkennt, und diese auf sich 
gerichtet fühlt, so begreift es sich auch, dass man sich einbildet, 
Alles, was man dabei empfindet, wovon man sich dabei getroffen und 
betroffen fühlt, wie eine directe Wirkung von innen heraus, wie eine
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.