Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425188
Der Ausdruck des 
Gesichtes, 
oder sagen wir: in unserem Gehirn, oder noch besser: in dem Gesichts- 
felde unserer Vorstellung auch hübsch bequem und übersichtlich nach 
Höhe, Breite u. s. W. gerade vor uns gegenüberstellen sollen. Das 
thun sie ja nun oft von selbst, sowie wir sie nur überhaupt ansehen, 
weil Thürme und Säulen und ebenso unsere Mitmenschen uns meist 
ebenso aufrecht entgegentreten, wie wir unseren Kopf mit den Augen 
darin zu tragen pflegen. Darum denkt man kaum daran, dass dies 
so sein soll. Wenn es aber einmal nicht so ist, so rückt man sich den 
Gegenstand, den man sehen will, so zurecht, oder, wenn das nicht 
geht, rückt man seinen Kopf unwillkürlich nach ihm zurecht. 
Denn so kommen wir auch zum Ziele. 
VOI' 
S0 z. B. nun, wenn 
uns, sondern gerade 
wir lesen, nehmen wir das Buch nicht nur 
aufrecht vor uns, mit der Höhe der Seiten 
Magdalena von Correggio, 
Dresden. 
Gallerie in 
parallel der des Gesichtes, oder mit den Zeilen parallel der Linie, welche 
die Augen verbindet. Denn so laufen die Augen am leichtesten über 
die Zeilen hin, und wir kennen auch die Buchstaben und Wortbilder 
am besten, wenn sie gerade vor uns stehen. Wenn wir aber mit 
einem Anderen in ein Buch sehen, das er bereits gerade vor sich hat, 
und wollen es ihm nicht wegnehmen oder drehen, so müssen wir 
unseren Kopf darnach drehen, dass er dem Buche, wie Jener es vor sich 
hat, gerade gegenüber kommt. Ich will, um dies anschaulich zu 
machen, in beistehenden Umrissen an zwei bekannte und einander 
nahe verwandte Bilder der Dresdener Gallerie erinnern, die Mag- 
dalena von Correggio und Battoni. Beide lesen, selbst am Boden liegend,
        

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