Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425178
insbesondere 
Blickes. 
des 
zumal wenn wir selbst der Gegenstand wären, den er so anblickte, 
würden wir durchaus nicht den Eindruck erhalten, uns davon be- 
sonders getroffen, oder gar, wie Henle sagt, durchbohrt zu fühlen. 
Nur eine Art zu blicken giebt es allerdings unzweifelhaft, bei der 
die Augen nicht auf einen festen Punkt hin eonvergiren, sondern nur 
in einer gleichen Richtung parallel geradeaus eingestellt sind. Das 
ist der Blick in weite Ferne, wie er im Leben bei der Erhebung der 
Augen zum Himmel oder auch beim Ausblick auf einen weiten Hori- 
zont vorkommt. Etwas Aehnliches kann auch eintreten, wenn der 
Blick, auch selbst innerhalb einer beschränkten Umgebung, so ohne 
etwas Bestimmtes zu üxiren, gleichsam nur ins Weite oder Freie ver- 
loren scheint, Weil man eben gar nichts sehen will, sondern mit seinen 
Gedanken von allen sichtbaren Eindrücken seiner Umgebung ganz 
abgewendet ist. Dies macht dann auf den Zuschauer, der es beob- 
achtet, den Eindruck der Vertiefung in Gedanken oder in irgend eine 
andere Art von Beobachtung (lurch Gefühl oder Gehör, wie bei ent- 
zücktem Lauschen auf Musik, oder wenn der Arzt den Puls fühlt und 
dabei ganz von Allem, was ihn in der Nähe sichtbar umgiebt, Weg- 
oder absieht. Dies giebt aber vor Allem einem Bilde wie die sixti- 
nische Madonna den Ausdruck des über aller irdischen Wirklichkeit 
die 
Weite 
Schweifens, 
weil 
der 
Blick 
über 
Alles 
der 
Nähe 
hin- 
weg, in die Ferne gerichtet ist. 
Ferner gehört nun aber in vielen Fällen, wenn man einen Gegen- 
stand betrachtet, noch etwas mehr dazu, als dass man die Augen 
offen und auf ihn gerichtet hat, etwas, was man nicht bewusst will- 
kürlich und mit bewusster Absicht thut, was aber unbewusst doch von 
der Absicht, in der man den Gegenstand betrachtet, abhängt und wodurch 
sie auch erreicht wird, und dies trägt, indem es fühlbar wird, sehr zum 
Ausdruck der Beziehung des Blickes auf den Gegenstand und der 
damit verbundenen Absicht oder Gesinnung des Blickenden bei. 
Wenn man nämlich einen Gegenstand mit eingehendem Interesse be- 
trachten will, der eine gewisse Art von regelmässiger Gestalt mit 
gewissen Hauptdimensionen wie Höhe und Breite hat, nach denen 
man die Verbindung seiner Theile miteinander leicht zu übersehen 
und zu beurtheilen geneigt oder gewohnt ist, wie ein Gebäude oder 
auch ein Mensch, dann hat man das Bedürfniss, dass sich die Haupt- 
durehmesser des Bildes von diesem Gegenstande in unserem Auge,
        

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