Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425165
Gesichtes, 
Ausdruck des 
Der 
lich unbewusst, aber doch willkürlich in der Absicht, ihn deutlich zn 
sehen. Uebrigens ist dies selbst nicht zu sehen. Mit alledem wird 
nun nicht mehr und nicht weniger bezweckt, bewirkt, und wenn man 
es dem Menschen ansieht, diese Absicht daran erkannt, als dass er 
den bestimmten Gegenstand, den er anblickt, sehen will und sieht, 
sich also auch vermuthlich eben für ihn interessirt. Das ist nicht 
viel, und doch ist es die Grundlage zu Allem, worauf wesentlich der 
geistige Ausdruck des Blickes beruht, und alles Weitere kommt nur 
als begleitende Modiiication der Art, wie es geschieht, hinzu und trägt 
zu diesem Ausdruck bei. 
Hier 
lIlllSS 
ich 
111111 
zunächst 
eine 
Art 
VOll 
Modification 
des 
Her- 
ganges erwähnen, von deren Mitwirkung beim Ausdruck des Blickes, 
wie ich glaube, mit Unrecht vielfach geredet worden ist, zuerst von 
Johannes Müller in seiner berühmten vergleichenden Physiologie des 
Gesichtssinnes und dem derselben angehängten Versuche über die Be- 
wegungen der Augen und den menschlichen Blick. Es ist, oder wäre 
nicht nur eine variirende Modificatioil, sondern eine eigentliche Ab- 
weichung von der obigen Regel, wonach die beiden Augen sich stets auf 
dem Gegenstande, den sie anblicken, treffen sollen. Joh. Müller be- 
schreibt verschiedene Arten des Blickes, wobei sie sich entweder mehr 
oder weniger convergirend treffen sollen, als nöthig und eben richtig ist, 
um den Gegenstand beide gleich ins Auge zu fassen, wovon die 
nothwendige Folge sein müsste, dass ihn der Besitzer der Augen auf 
diese Art auch nicht mit beiden einfach sähe. Diese Art des Blickes 
soll nach Müller's Ansicht als solche auffallen und allerlei ausdrücken, 
und manche Autoren, wie z. B. Harless sind ihm in der Erörterung 
dieses Themas gefolgt. Auch Henle behauptet, dass ein Mensch, der 
sich viel mit nahen Objecten beschäftigt, mit der Zeit durch Gewohn- 
heit einen auf das Nahe gerichteten Blick erhalten soll, "der als ein 
enger bezeichnet und von denen, auf welchen er ruht, als forschender 
oder gar durchbohrender empfunden wird". Ich kann mich nicht 
überzeugen, dass an dem allen etwas richtig beobachtet oder ge- 
deutet ist. Kein Mensch, ausser ein sehielender, vielleicht auch ein 
geisteskranker oder betrunkener, sieht einen Gegenstand, den er sehen 
will, anders an als so, wie es nöthig ist um ihn richtig zu sehen, 
den nahen oder den fernen so, wie es eben der Nahe oder Ferne 
entspricht, und wenn wir bemerken würden, dass er es nicht thäte,
        

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