Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425157
insbesondere des Blickes. 
rein sinnlich durch das vollere oder abgeschwächtere Bild des Sternes 
im Auge und seines Glanzes an sich, Vor Allem aber giebt es auch 
geistig dem Auge und dem ganzen Gresichte einen sehr verschiedenen 
Ausdruck, und zwar das weit offene Auge einen lebhaften, das schwach 
geöffnete einen müden, schläfrigen. Ganz natürlich; denn der Zweck 
der Augenöffnung, die Absicht, die Jeder hat, der das Auge öffnet, 
dass er Etwas sehen Will, wird so oder so erreicht, aber nur ein 
träger, müder Blick begnügt sich zur Erreichung dieses Zweckes mit 
der mindest genügenden Erhebung des Augenlides; jeder frische, leb- 
hafte Augenaufschlag legt den Stern des Auges ganz bloss, und so 
leuchtet aus dem vollen Bilde und Glanze desselben eine frische oder 
erregte Stimmung heraus, während der matte Glanz des halb ver- 
deckten Sternes auf eine nachlässige oder abgespannte Art des Blickes 
ins Leben schliessen lässt. Und wenn sich damit mimisch im Augen- 
blick die Stimmung oder „die Höhe geistiger Erregung", wie wir hier 
wohl mit Recht nach Henle (s. o.) sagen dürfen, äussert, so giebt 
derselbe Zug, wenn er zur bleibenden Eigenthümlichkeit bei einem 
Menschen wird, dem Gesichte desselben physiognomisch den lebhaften 
oder schläfrigen Ausdruck. Das weit oder knapp geöffnete Auge 
macht ebenso wie die stramme oder schlaffe Haltung beim Stehen und 
Gehen (s. den vorigen Vortrag) den Eindruck der grösseren oder ge- 
ringeren Energie, mit der in beiden Fällen der Zweck der Bewegung 
erreicht wird. 
Das Zweite, was der Mensch mit wohlbewusster Absicht willkür- 
lich thut und thun muss, um etwas zu sehen, ist, dass er seinen Blick, 
d. h. die Achse seiner Augen in die Richtung bewegt oder einstellt, 
in welcher der Gegenstand liegt, den er ansehen will, und zwar beide 
so, dass sie sich eben auf diesem Gegenstande treffen. Denn dies ist 
die Bedingung dazu, {lass er den Gegenstand mit beiden Augen nur 
einfach, zugleich auch durch das Zusammenwirken beider wie körper- 
lich (stereoskopisch) sieht. Die Achsen beider Augen müssen zu diesem 
Zwecke vom Kopfe aus nach der Seite hin gerichtet sein, wo sich 
der Gegenstand befindet, aber mit einander etwas convergirend, um 
denselben oder sich auf ihm zu treffen, und zwar um so mehr, je 
näher am Kopfe er sich befindet. Zugleich müssen beide Augen auch 
innerlich so eingestellt (accommodirt) sein, dass der Gegenstand im Auge 
ein möglichst deutliches Bild giebt, und auch dies erfolgt, _zwar ziem-
        

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