Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425141
Der Ausdruck des 
Gesichtes, 
dass es nur auf einen Contrast bunter, matthellel" oder tiefdunkeler 
Farbe und eines hellen Klexes hinauskommt, der den Glanz auf 
der Hornhaut darstellt und oft besonders dadurch ähnlich wie 
dieser wirkt, dass sich auch in dem Firniss der Farbe Licht spiegelt, 
und doch wird dieselbe Wirkung des Blickes wie im Leben erreicht. 
Mit alledem soll nicht gesagt sein, (lass die Augen an sich gar 
keinen Eindruck auf uns machen. Ihr feuchter Glanz zieht als Licht- 
punkt der lebenden Erscheinung des Menschen unser Auge auf sich. 
Ihre helle oder dunkele, braune oder blaue Farbe verstärkt oder er- 
wärmt diesen Eindruck, ihre grosse oder kleine Wölbung trägt zu dem 
Charakter eines Gesichtes bei. Aber das sind alles nur Beiträge zur 
sinnlichen Wirkung und Schönheit der Gestalt eines Gesichtes, aber 
nicht zu dem geistigen Eindruck, der uns aus ihm cntgegentritt; 
sondern dieser Ausdruck ist nur an die Art gebunden, wie uns der 
Blick der Augen aus demselben entgegentritt, mit einem Worte, aus 
der Bewegung des Kopfes und der Augen, welche der Mensch braucht, 
um uns an- oder sich in der Welt umzusehen, und mit der ganzen 
Haltung, die dazu gehört um es zu thun. 
Das Erste, was der Mensch zu thun hat und in der deutlich be- 
wussten Absicht um zu blicken, zu sehen, willkürlich thut, ist, dass 
er die Augen aufsperrt; und zwar besteht diese Bewegung darin, dass 
er die Spalte der Augenlider öffnet, die Ränder derselben von einander 
entfernt, insbesondere fast nur das obere vom unteren, auf dem es 
bei geschlossenen Augen ruht, emporliebt und damit den Stern des 
Auges, der die Oeffnung für den Eintritt von Licht in das Auge ent- 
hält, freilegt. Diese Absicht ist erfüllt, der Zweck erreicht, wenn sich 
die Wimpern bis über die dunkele Oeifnung der Pupille im Stern des 
Auges erhebt; denn diese ist es allein, durch Welche das Licht in's 
Innere des Auges eintritt. Wenn man diese Grenze nur eben 1nit 
geringster Anstrengung erreicht, so bleibt ein oberer Randstreifen des 
bunten, glänzenden Sternes noch unter dem Lid verborgen. Wenn 
er ganz zum Vorschein kommt, so hat die Anstrengung, mit der wir 
das Auge aufmachen, schon ein Uebriges gethan. Dadurch erscheint 
nun aber das Bild des geöffneten Auges sehr verschieden, zunächst 
verschieden gross, viel mehr als dadurch, dass die Kugel selbst gross 
oder klein ist, ferner aber auch in viel hellerem oder matterem Glanze, 
und dies macht einen wesentlich verschiedenen Eindruck, zunächst
        

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