Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425115
des Blickes. 
insbesondere 
der Augenlider in Beziehung oder Parallelismus setzen; aber es ist 
nicht richtig, dass durch Emporziehen der Stirnhaut „die Spannung 
des Augendeckelhebers unterstützt und erleichtertu, oder dem Bedürf- 
niss zum Oeffnen oder Offenhalten des Auges nachgeholfen wird, und 
ebenso wenig durch Zusammenziehen der Augenbrauenhaut gegen die 
Nase das Auge gedeckt und beschützt wird. Beides geschieht durch- 
aus nur durch die Hebung und Senkung des Augenlides. Die ent- 
sprechende verwandte Bewegung der Stirnhaut kann damit verbunden 
werden oder nicht, und auch sogar die nicht entsprechende. Also 
haben dieselben keinen Zweck. Aber sie treten ein in Folge oder 
Begleitung gewisser geistiger Anspannungszustände, die sich freilich 
nicht so einfach deiiniren lassen, wie die Stimmungen, die im Lachen 
und Weinen ihren Ausdruck finden, und auch nicht so bei den beiden 
Arten der Faltung einander entgegengesetzt sind. Kürzlich hat Jemand 
behauptet, die horizontalen Stirnfalten deuten auf Intelligenz, die 
senkrechten auf Sinnlichkeit. Ich kann das nicht finden. Die Empor- 
ziehung der Augenbrauen, verbunden mit der Bildung der horizontalen 
Falten, zeigt sich in der Regel bei angestrengter Aufmerksamkeit, aber 
die Zusammenziehung der Brauen (Runzelung) in der Richtung gegen 
die Nase mit Bildung der senkrechten Falten oft ebenfalls bei noch 
gesteigerter Aufmerksamkeit. 
Nun liesse sich freilich noch allerlei darüber sagen, wie diese 
Mimik der Stirnfalten in Verbindung mit der der Augenlider, der sie 
ja nahe steht und verwandt ist, durch Harmonie oder Contrast zu- 
sammenwirkt. Das ist schliesslich ihre Hauptwirkung und führt auch 
auf die Möglichkeit einer Erklärung ihrer Entstehung. Aber ich will 
dies Thema hier abbrechen und zuvor auf den Ausdruck der Augen- 
lider und der Augen selbst, also des Blickes kommen, der seiner 
ganzen Art und Bedeutung nach viel mehr als alle sonstige Mimik 
des Gesichtes einfach theils auf zweckmässigen Bewegungen mit deut- 
lich bewusster Absicht, theils auf unbcwusster Wirkung geistiger Mo- 
tive beruht. Wenn wir ihn erst verstehn, können wir auch versuchen, 
für die übrige Mimik ebenfalls dazu zu gelangen. 
Bevor ich darauf komme, in was 
steht, ist es nöthig vorauszuschicken, 
der Ausdruck des Blickes be- 
worin er nicht besteht. Das
        

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