Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425102
Gesichtes, 
Der Ausdruck des 
Lippen angestrebt oder erreicht werden soll, wie ihn unwillkür- 
liche und willkürliche Bewegungen sonst haben und erfüllen. Niesen 
und Husten stossen Schleim und Staub aus Nase und Luftröhre hinaus; 
Beissen und Kauen dienen zur Aufnahme von Speise in den Mund 
und ihrer Zerkleinerung. Mit Lachen und Weinen wird nichts be- 
zweckt und erreicht. Man hat versucht (Hecker, Piderit), der ver- 
stärkten Athmung beim Lachen und Weinen irgend einen Zweck 
unterzulegen, der durch die erheiterte oder gedrückte Stimmung ge- 
fordert sein könnte, Vermehrung oder Verminderung des Blutdruckes 
im Gehirn, der durch gehobene oder gedrückte Stimmung gesteigert 
oder herabgesetzt sein sollte u. dgl. Diese Versuche sind sehr weit 
hergeholt und schwach begründet. Wenn sie aber auch irgend ein, 
so oder so, abgeändertes Athembedürfniss erklären könnten, so wäre 
doch nicht abzusehen, wie dazu die entgegengesetzten Verziehungen 
der Lippen beim Lachen und Weinen irgend etwas sollten beitragen 
können. Es bleibt also dabei: gerade diese beiden grössten mimischen 
Bewegungen des Mundes und seiner Umgebung unterscheiden sich eben 
dadurch als solche von anderen willkürlichen und unwillkürlichen Be- 
wegungen, dass sie keinen Zweck haben, weder im Dienste einer 
Function zur Erhaltung des Organismus, noch einer mit unserem 
Willen verfolgten Absicht. Sie haben aber erfahrungsmässig mit den 
willkürlichen das gemein, dass sie die Folge und also auch das Er- 
kennungszeichen eines geistigen Actes, zwar eben nicht des Willens, 
aber einer Stimmung sind. Sie erfüllen insbesondere absehbarerweise 
nicht den Zweck, an den man etwa denken könnte, diese Stimmung 
zu erhöhen, zu erleichtern oder ihr eine Bethätigung zu Verschaffen, 
ausser eben den, dass andere Menschen, wenn sie dieselben sehen, die 
Spur dieser Stimmung in diesem Bilde erblicken und von ihr auf den 
ganzen Gemüthszustand des Menschen Schlüsse machen können. 
Dasselbe gilt vom Stirnrunzeln. Es steht ja auch in einer Art 
von begleitender Beziehung zu einer anderen theils wvillkürlioh, theils 
unwillkürlich eintretenden Bewegung, die einen bestimmten Zweck 
und Erfolg hat, der Oeffnung und Schliessung des Auges; aber es 
trägt zu der Erfüllung dieses Zweckes, oder Erreichung dieses Erfolges 
nichts bei. Es giebt zwei Hauptarten von Stirnhautfaltung, die Bil- 
dung horizontaler und senkrechter Falten, und man kann dieselben 
mit Recht, wie Piderit dies thut, mit der Oeffnung und Sehliessung
        

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