Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425072
insbesondere des Blickes. 
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Da Lachen und Weinen, wie gesagt, beide sich als Vorbereitungen 
zum Oetfnen des Mundes darstellen, so wird auch die höchste Steigerung 
oder das Endergebniss beider, ein volles herzhaftes Lachen oder ein 
heftiges Weinen mit Schluchzen und Thränen (Heulen oder Schreien) 
ein sehr ähnliches Bild darbieten, nämlich einen sowohl in die Höhe 
als in die Breite weitgeöffneten Mund zeigen, die Lippen von einander 
entfernt, die Zähne entblösst und beide Lippen in die Breite gezogen. 
Letzteres spricht sich dann in beiden Fällen besonders auch darin 
aus, dass sich seitwärts von beiden eine zusammenhängende, tief- 
eingezogene Grenzfalte, u1n die Zähne herum, unter die Backe hinein- 
zieht, Welche vom Nasenflügel herab, im Bogen um den Mundwinkel 
herum zum oberen Rande des Kinnes verläuft. Aber die Einleitlmg 
dazu ist in beiden Fällen eine total verschiedene, und die Spur davon 
zeigt sich auch noch bei hochgradigen Expectorationen der einen und 
andern Art, ebenso wie in den begleitenden Athembewegtingen. Die 
letzteren betreffend, hat Piderit ganz richtig den Unterschied aufgestellt, 
da sie beide einen verstärkten Ein- und Ausathlnungsact darstellen, 
dass aber beim Lachen die Ausathmtmg, beim Weinen die Einathmung 
nruckweise" erfolgt; oder 1nit anderen Worten: beim Lachen (und 
Jauchzen) findet eine verstärkte Ausathmung, beim Weinen (und Seufzen) 
eine verstärkte Einathmung Statt f). Man kann hinzufügen, dass auf 
diesen "Ruck" jedesmal, also beim Lachen auf die Ausathmung, beim 
Weinen auf die Einathmung eine Pause folgt, welche sich zu einem 
vollen Stillstande der Athmung steigert, wenn man sich völlig ausser 
Athem gelacht oder geschluchzt hat. Dagegen verkennt Piderit den 
ebenso durchgreifenden Gegensatz im Verlaufe der Bewegungen der 
Lippen beim Lachen und Weinen, indem er die Gestaltveränderung 
derselben beim Weinen nur für eine geringe Modifieation von der 
beim Lachen erklärt und die Herbeiführung derselben, oder, wie er 
es nennt, den Uebergang vom Lachen zum Weinen nur der Wirkung 
von ein paar ganz unbedeutenden Muskeln zuschreibt. Es kommen 
solche Uebergänge vom Lachen zum Weinen aus inneren Gründen 
freilich vor; aber von ihnen auszugehen, heisst die Ausnahme zur Regel 
L 
'k) Piderit spricht freilich ausdrücklich nur von einer verstärkten Exspi- 
ration beim Lachen, dagegen einer abgeschwächten Inspiration beim Vvßillßll- 
Dies verstehe ich garnicht.  3:
        

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