Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425068
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Gesichtes, 
des 
Der Ausdruck 
oder Beissen, oder Vermeiden eines Geschmackes erklären lassen und 
dann in begreiflicher Weise auch als Aeusserung einer schmeckenden 
oder beissenden oder unangenehm schmeckenden Wahrnehmung oder 
Absicht deuten lassen. Piderit hat eine Reihe derartiger kleiner aus- 
drücklicher Faltungen der Haut, besonders in der Umgebung des 
Mundes, beschrieben und abgebildet, welche er z. B. als prüfenden, 
süssen oder bitteren Zug bezeichnet und damit theils ihre ursprüng- 
liche Beziehung zu einer Wahrnehmung oder Absicht bezeichnen will, 
theils ihre Eigenschaft als Ausdruck einer Gemüthsverfassung, die 
man mit einem bitteren oder süssen Geschmack einer prüfenden Ab- 
sicht vergleichen oder auf etwas dem Verwandtes zurückführen kann  
Manche von ihnen sind ohne Zweifel gut beobachtet, und auch die 
Deutung hat zum Theil etwas Einleuchtendes, wenn auch dabei wohl 
etwas mehr bildliche Vergleichung von bitteren oder süssen Ge- 
schmäcken und Gemüthsverfassungen u. dgl. mit unterläuft. Ich will 
aber bei diesen Zügen der Mimik nicht verweilen, weil mir scheint, 
dass sie in der gesammten Wirkung des Mienenspieles weder eine 
grosse Rolle spielen, noch auch zu ihrem Verständnis etwas Entschei- 
dendes beitragen. 
Wenn ich sodann hier auf die beiden grössten und bekanntesten 
mimischen Bewegungen, das Lachen und Weinen komme, so meine 
ich damit zunächst auch nur die Veränderung der Gesichtszüge, die wir 
so nennen oder die zu der ganzen Reihe von Bewegungen gehören, welche 
wir so nennen und welche, wenn sie stark auftreten, ebensoviel, oder 
noch mehr in einer eigenthümlich gesteigerten Rhythmik des Athmens 
bestehen, beim Weinen mit Erguss von Thränen verbunden, was Alles 
erst recht auch innere Stimmungserregungen zum Ausdrucke bringt. 
Man kann die sich damit verbindende oder meist schon vorangehende 
Veränderung der Gesichtszüge als Begleiterscheinung oder Vorbe- 
reitung dieser stärkeren Erregungsäusserung ansehen. Zunächst aber 
sind diese veränderten Gesichtszüge beim Ausdruck des Lachens und 
Weinens begleitende Variationen einer beginnenden Oeffnung des 
Mundes, die sich zur vollen steigern kann, und die an sich eine will- 
kürliche Bewegung ist. Ich will nicht unterlassen, vor Allem eine Be- 
schreibuilg der im Eindruck so bekannten Erscheinung zu versuchen. 
m) Eine Auswahl derselben ist in 
Fr0riep's Anatomie für Künstler, Leipzig 
Abbildungen der II. 
S. 44 HI, reproducirt. 
den 
1891, 
Aufl. 
VOD
        

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