Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425059
insbesondere des Blickes. 
33 
lich, dass diese begleitende Nebenabsicht oder die ihr wieder zu Grunde 
liegende Stimmung und Gesinnung sich in ihr manifestirt oder zum 
Ausdrucke kommt. Ich will dies beides nacheinander in einigen Haupt- 
beispielen nachzuweisen versuchen und dann auch noch auf solche 
Combinationen von beiden miteinander oder mit dritten willkürlichen 
oder auch unwillkürlichen Bewegungen kommen, welche uns vielleicht 
die Möglichkeit eröffnen, beide in ihrem Grunde auf gemeinsame 
letzte Ursachen zurückzuführen. Natürlich müssen diese Ursachen 
zuletzt immer auf eine Beziehung der Bewegung zu irgend einer 
geistigen Absicht oder Beclingtheit hinauskommen. 
Ohne Absicht, Zweck und Erfolg in Ursache und Wirkung sind 
jedenfalls die hauptsächliehsten Bewegungen im Gresichte des Menschen, 
an die man zuerst (lenkt, wenn von Ausdruck oder Mimik die Rede 
ist, und von denen man doch aus langjähriger Erfahrung von Jugend 
auf gelernt hat, sie als Zeichen von Stimmungen und Gesinnungen 
des Menschen aufzufassen und richtig zu deuten. Lachen und Weinen, 
Naserümpfen und Stirnrunzeln stellen Gestaltveränderungen in der 
Modellirung der Haut des Gesichtes dar, mit denen nichts geleistet wird, 
die Wir also auch nicht mit der Absicht auf einen zu erreichenden 
Zweck willkürlich eintreten lassen. Wir machen sie überhaupt nicht 
willkürlich, können gar nicht wollen, dass sie eintreten, weil wir die 
einzige Folge, die sie haben, die sichtbare Veränderung der Gesichts- 
züge, selbst gar nicht sehen. Nur wenn wir sie im Spiegel betrachten, 
lernen wir sie einigermassen auch willkürlich ausführen, ohne aber 
(labei sonst einen Zweck zu verfolgen, und ohne dann auch gerade 
die natürlichen Combinationen zu treffen, welche ohnc unsere Absicht 
(eintreten, wenn wir uns in gewisser Stimmung belinden. Aber an 
anderen Menschen sehen wir sie erscheinen, ohne dass sie es wollen, 
auch ohne dass sie es verhindern können. Wir wissen dann aus Er- 
fahrung, dass dies ihr unwillkürliches Auftreten im Gesichte Anderer 
ein untrügliches Zeichen gewisser Stimmungen oder Gemüthserregungen 
ist, welche dadurch im Gresichte zum Ausdruck kommen. 
Es giebt freilich auch manche kleine Züge der Modellirung oder 
Faltung in der Haut des Gesichtes, die sich allenfalls auch als ab- 
sichtliche Anstrengungen zu bestimmten Zwecken, wie Schmecken 
Henke. Vorträge. 3-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.