Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425042
I)er 
Ausdruck 
des Gesichtes, 
oft eintritt, so drückt sie dem Gesichte desselben ihre bleibende Spur 
auf, welche dann die Neigung zu dieser Art von Erregung oder Stim- 
mung als bleibenden Charakterzug ausdrückt. Dieser Gedanke ist be- 
sonders ausführlich und gründlich von Piderit k) (lurchgeführt, indem 
er Mimik und Physiognomik in der Art als zwei parallele Aufgaben 
abhandelt, dass die eine aus der andern folgt. Er beschreibt in der 
Mimik der Reihe nach alle möglichen Veränderungen der Gesichtszüge, 
welche erfahrungsmässig gewisse Affeete begleiten oder ausdrücken, 
und deutet auch hier schon zuweilen an, wie ein derartiger Ausdruck 
bleibend werden kann. In der Physiognomik aber stellt er dieselbe 
Betrachtung noch einmal an, immer mit dem Zusatze, dass die bleibende 
Spur einer Art von Affect, z. B. Heiterkeit, einen zu diesem geneigten 
Charakter, also z. B. einen heiteren, zeigt. Wenn man sich diesen 
Grundgedanken nun einmal klar gemacht hat, dürfte es genügen, wenn 
wir uns die Art, wie eine Bewegung mimisch, d. h. als Ausdruck 
augenblicklicher Gemüthszustände wirksam wird, klar machen. Die 
physiognomische Anwendung davon folgt dann wohl von selbst. 
"Sympathetische Bewegungen" sagt Schiller, begleitende können 
wir sagen, besonders im Anschlusse an rein willkürlkrhe M) sind es, in 
denen sich die Wirkung des Ausdruckes der Stimmung, der Empiintlung 
und des Charakters offenbart, von welchen das, was man mit Absicht 
thut und treibt, begleitet ist. Diese begleitende Bewegung kann ent- 
weder an sich vollkommen zwecklos sein und trotzdem einen Gemüths- 
zustand offenbaren, mit dem sie erfahrungslnässig verknüpft ist, dem 
sie also Ausdruck giebt. In diesem Falle ist kaum ein Grund einzu- 
sehen, warum sie dies thut. Es ist so. Oder aber sie (erreicht auch 
einen Zweck, der den Erfolg mitbeeinflusst, Welchen wir mit der deut- 
lich willkürlichen Bewegung verfolgen, zu Welcher sie begleitend hinzu- 
kommt. Dann hat dieser Nebenzweek, dem sie dient, wohl auch eine 
Nebenabsicht zur Voraussetzung, mit der wir die eigentliche bewusst 
willkürliche Bewegung unternehmen, und es erklärt sich so ganz natür- 
4") Mimik und Physiognomik. II. Auflage. Detmold 1886 (zuerst unter dem 
Titel "Wissenschaftliches System der Mimik und Physiognomik", etwa Mitte der 
sechziger J ahre erschienen). Ich habe diese Betrachtungen zuersf, auch anknüpfcnd 
an Schiller, in dem ersten der beiden oben S. 28 citirten Vorträvge im Jahre 
1862 entwickelt.  
H) Vgl. meinen Aufsatz über willkürliche und unwillkürliche Bewegungen 
im März- und Aprilhefte der Deutschen Rundschau 1891.
        

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