Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1425035
insbesondere des 
Blickes. 
Alles, was zum geistigen Ausdrucke in der äusseren Erscheinung 
des Menschen beiträgt, führt sich auf Bewegung zurück, erfahrungs- 
mässig und begreiflieherweise. Die Bewegung ist es, worin sich der 
Einfluss des Geistes auf den Körper bethätigt und also auch seine 
Thatigkeit in demselben sich sichtbar zu erkennen giebt, sowohl als 
Ausdruck momentaner Stimmungen, Absichten und Bestrebungen, wie 
auch als bleibender Charakter. „Die Mienen" sagt Wittich, "mit 
welchen wir all unser Sprechen, unser Vorstellen und Denken begleiten, 
sind es, die Yoriks Schädel beleben würden, und die, wenn sie eben 
mit einer gewissen Regelmässigkeit und Häufigkeit sich einstellen, auch 
dem ruhenden Gesichte einen bestimmten, dauernden Ausdruck zu 
geben vermögen." Dieser Gedanke ist nicht neu. Schon Schiller hat 
ihn in seinem Aufsatze über "Anmuth und Würde" ausgesprochen 
und durchgeführt. Er erklärt Anmuth, ausgehend von dem Bilde des 
Gürtels der Venus, welcher der Göttin der Schönheit selbst nur als 
ein Attribut beigelegt wird, als Schönheit der Bewegung im Gegen- 
satze zur Schönheit des Baues (oder architektonischer Schönheit). Das 
kommt auf dasselbe hinaus, was wir Ausdruck nennen, d. h. schöner 
oder wohlgefalliger Ausdruck. „Anmuth," sagt er, "kann nur der Be- 
wegung zukommen, denn eine Veränderung im Gemüth kann sich nur 
als Bewegung in der Sinnenwelt offenbaren." Er stellt den Satz auf, 
dass diese Eigenschaft der Anmuth nur an willkürliche Bewegungen 
gebunden sein könne, erklärt dies aber dann naher dahin, dass eine 
Art von halb willkürlichen oder unwillkürlichen Bewegungen, die er 
sympathetische nennt, hinzukommen müssen, um den Eindruck der 
Anmuth zu machen. Er deutet an, dass aus dieser Anmuth in der 
Bewegung auch eine Anmuth in festen Zügen als eine Eigenschaft 
nverfesteter Bewegung ( in Züge übergegangener)" werden könne, und 
nimmt in Aussicht, bei anderer Gelegenheit den Nachweis zu liefern, 
dass „alle Schönheit zuletzt bloss eine Eigenschaft der wahren oder an- 
scheinenden Bewegung sei". 
WVenn dies nun auch schwer durchzuführen sein wird, so gilt es 
doch unzweifelhaft für die Falle, in denen ein bleibender Zug in der 
Gestalt, besonders im Gesicht des Menschen sich als bleibende Spur 
einer von Zeit zu Zeit eintretenden Bewegung darstellt. Die augen- 
blickliche Bewegung giebt einer augenblicklichen Erregung oder Stim- 
mung Ausdruck. Wenn eine solche aber bei einem Menschen besonders
        

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