Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424980
aufrechte 
Die 
Menschen 
Haltung des 
sie noch aufiiiegen. So liesse sich dies Thema von einer fortge- 
setzten Entwickelung oder Descendenz im Darwidschen Sinne "mit 
wenig WVitz und viel Behagen" in Bild und Wort noch beliebig 
weiter spinnen; aber ich will es abbrechen, da ich so schon fürchten 
muss, die erlaubte Grenze eines blossen Spiels mit Phantasien 
überschritten zu haben. Deshalb zum Schluss nur noch eine ernst- 
hafte 
Moral 
VOD 
der 
Geschichte. 
Wir haben gesehen, dass in der That eine mehr oder weniger 
bleibende Gestalt eines der festesten Stücke an unserem ganzen Körper 
durch den Gebrauch im Leben noch bei schon erwachsenen Menschen 
so oder so geprägt werden kann, bei Kindern aber immer 
denselben Einflüssen sich herausbildet. Wir können von 
erst unter 
einer ähn- 
liehen Wirkung vor der Geburt nicht viel reden, sondern hier mehr 
nur an vererbte Uebertragung der ersten Anlage der Gestaltung denken. 
Wir können über ähnliche Vorgänge bei der Entwickelung der Thiere 
Vermuthungen machen. Das Resultat bleibt, dass die Anlage zur 
Gestaltung auch der schliesslich festesten Körpertheile von Haus aus 
sehr nachgiebig ist, sich in ihrem Abschlusse sehr durch die willkür- 
lichen Bewegungsimpulse modeln lasst. 
„Es ist der Geist, der sich den Körper baut," 
und es ist gar nicht zu ermessen, wie weit in die Uranfänge unserer 
Organisation diese Wirkung zurückreicht. Im fertigen Zustande hängt die 
Möglichkeit der Functionen unserer Organe in engen Grenzen von ihrer 
Gestalt und sonstigen Structur ab. Im werdenden wird umgekehrt 
die Anlage der letzteren von den immer gleichzeitig schon auftreten- 
den Regungen der ersteren in ihrer Präparation dominirt. Man kann 
keinen Menschen geradezu dafür verantwortlich machen, was ihm für 
eine Nase gewachsen ist; denn es ist nicht abzusehen, wie er dies 
hätte andern können. Aber Vieles von dem, was er schliesslich als 
feste Eigenschaft an sich trägt, hat er sich erworben, und die Fort- 
setzung dieser Arbeit von Geschlecht zu Geschlecht kann mit der 
Zeit die Aneignung immer neuer Organe und Kräfte begreiflich 
erscheinen lassen, die dem Einzelnen dann künftig gleich angeboren 
werden.  
Sehen wir doch etwas Aehnliches auch auf rein geistigem Gebiete. 
Im Leben und der Geschichte des Menschen, wie er als fertiger vor 
uns steht, unterscheiden wir Charakter und Gesinnung als das bleibend
        

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