Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424971
Stehen 
und 
Gehen. 
passung- der aufrechten Haltung an die Vervollkommnung des auf- 
rechten Ganges noch weiter bringen als wir. Denn wenn wir es auf 
diesem Wege der Descendenz zu der Stufe gebracht haben, auf der 
wir jetzt stehen, warum soll derselbe Process nicht weiter gehen, bis 
durch ihn und andere ähnliche Metamorphosen noch ganz andere 
Menschen oder auch Engel in die Welt gesetzt werden. Und wenn 
wir, um bei unserem Thema zu bleiben, nur an die fortgesetzte Ab- 
knickung des Oberkörpers gegen das Becken denken, welche es mög- 
lich macht, den ersteren ebenso vollkommen aufrecht zu tragen wie 
jetzt, und das letztere durch die Beine noch besser als jetzt einher- 
schieben zu können, so fehlt es uns schon jetzt in der vergleichenden 
Anatomie nicht an Vorbildern für diese Tendenz des Fortschrittes. 
Es ist ja nicht gesagt, weil wir es in der geistigen Kultur allen 
Thieren zuvor thun, dass nicht in einzelnen Functionen die einen oder 
anderen uns übertreffen. S0 ist z. B. beim Gehen das Auftreten mit 
den Zehen 
bei den meisten schnell 
laufenden Thieren wohl 
eine 
weitere 
Vervollkommnung des Ganges über den Sohlengang der Frösche, 
Bären und Menschen hinaus, die sich der Mensch durch die immer 
wiederkehrende Mode der hohen Absätze allmählich ebenfalls anzupassen 
bestrebt ist. Und die Vögel haben  durch ihre Flügel schon längst 
unseren Neid und unsere Phantasie zur Ausmalung eines unerreichten 
Ideals höherer Vollkommenheit angeregt, wenn es auch jedenfalls zu 
viel verlangt ist, wenn wir, wie die gemalten Engel, die Flügel der 
Vögel haben und unsere Hände dazu behalten wollen, da  die Hände 
und die Flügel nur verschiedene Formen desselben Gebildes von Ex- 
tremität darstellen. Aber auch schon in Gang und Haltung sind die 
Vögel uns bereits voraus. Sie tragen das Becken mit seiner Achse 
horizontal wie die vierfüssigen Thiere, aber das von demselben nach 
dem Rücken hin empor gebogene Rückgrat aufrecht wie wir. Man 
denke nur an das Bild eines stolz einherschreitenden Hahnes. Wir 
haben unsere westlichen Nachbarn durch die Application der ver- 
besserten aufrechten Haltung auf die Marschfähiglaeit der Truppen 
tiberfltigelt, aber ihre Damen marschiren auf dem Gebiete des Ge- 
schmackes und der Mode noch immer an der Spitze der Civilisation, 
und befleissigen sich, wenn wir den Bildern in ihren illustrirten 
Blättern glauben dürfen, eines Ganges, der mit der nöthigen Drappi- 
rung dazu sehr an einen Vogel Strauss erinnert. Am Ende werden
        

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