Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424960
Haltung des 
Die aufrechte 
Menschen 
Vorderpfoten, wie der Pudel und der Tanzbär  und dann geht es 
freilich gleich wieder viel schneller. Denn nun ist das Becken wieder 
geneigt, die Hinterbeine können weit ausgreifen, während die vorderen 
den wieder von seiner Höhe herabgestürzten Oberkörper über dem 
Boden halten. 
Man sieht also: die Sache ist nicht so einfach, wie sie sich der 
Affe wohl denkt, den vierfüssigen Gang durch Anpassung in den auf- 
rechten zu verwandeln und wie ein Mensch aufzutreten. Es genügt 
eben nicht, den vorher horizontal getragenen Balken des Rüekgrates 
als senkrechte Säule aufzurichten. Denn dadurch wird das Becken 
auch mit dem vorderen Ende nach oben gestellt und die Hüftgelenke, 
welche an seiner früher unteren, jetzt vorderen Seite angebracht sind, 
verlieren ihren Spielraum nach hinten, und damit fällt die nach- 
stemmende Wirkung der Beine auf das Becken beim Gehen weg, zu 
der beim vierfüssigen Gange Alles so passend eingerichtet war. Soll 
dies auch nach der Annahme der aufrechten Haltung Wieder ermög- 
licht werden, so muss eben das Becken nicht ganz mit aufgerichtet 
werden, sondern nur der Oberkörper durch Knickung der Wirbelsäule 
über dem Becken nach hinten. Dann kann das Nachstemmen los- 
gehen. Wenn der Mensch aus dem Affen entstanden sein soll, hat er 
sich in dieser Richtung schon sehr entwickelt und kann es darin mit 
der Zeit bei Heissigem Exerciren noch viel weiter bringen. Schiller 
hat schon die Erreichung der fertigen aufrechten Haltung als eine 
Art früh erreichter Kulturstufe des Menschen in seinem Gedicht an 
die Künstler gefeiert: 
„Jetzt stand der Mensch und wies den Sternen 
"Das königliche Angesicht. 
"Es dankte nach erhabnen Fernen 
"Sein sprechend" Aug" dem Sonnenlicht." 
Auch durch Vererbung scheint die auf diese Art durch Anpassung 
entstandene Gestalt und Haltung der Wirbelsäule schon mit übertragen 
zu werden. Dafür spricht die Leichtigkeit, mit der es dem Kinde 
vorübergehend beim Uebergange vom Kriechen zum Aufstehen (bei 
A auf Seite 21) gelingt, sein Rückgrat rückwärts "zu biegen, wenn es 
auch zur Zeit noch ftir diese Möglichkeit sonst weiter keine Ver- 
wendung hat. 
Man kann wohl fragen: was mag daraus noch werden, wenn 
unsere Nachkommen es bei fortgesetzter Entwickelung in dieser An- 
Künstler
        

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