Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424920
Die aufrechte 
Haltung 
Menschen 
des 
zu lassen. S0 kommt denn schliesslich praktisch der Schritt heraus, 
den wir vorher als ausgiebigsten deiinirt haben und der hier 
bei C wieder dargestellt ist. Die nöthige Bedingung für ihn, Welche 
als Resultat der früheren Uebung gewonnen ist und bleibt, besteht 
eben auch hier, wie wir sehen, in der nunmehr erlernten und damit 
zugleich als Gewohnheit angenommenen Haltung des Beckens und des 
Rückgrates, die sich besonders durch die Einknickung des Rückens 
über dem Kreuz im Profil deutlich bemerkbar macht. 
wird 
durch 
die 
harten 
Künste 
des 
Lehrschrittes 
und 
Parade- 
marsehes eine Art von Haltung dem Körper aufgenöthigt, die ihn 
dann sehliesslich zum vollkommensten Sturmsehritt und ausgiebigsten 
Parforcemarseh vorbereitet macht. Ob die allgemeinere Verbreitung 
und moderne Beliebtheit dieser Haltung auch in unserem ganzen Volke 
(ausgenommen die Volksgenossen von fremdem Stamme) nur als eine 
Folge dieser militärischen Erziehung, die sich dem übrigen Volke 
mittheilt, zu betrachten, oder 0b eine Anlage dazu von Urzeiten her 
dem germanischen Stamme innewohnt, ist schwer zu sagen. Schon in 
den Zeiten der Völkerwanderung hatten vielleicht unsere Vorfahren 
nicht nur längere Beine als die Römer, sondern auch einen mit den- 
selben mehr ausgreifenden Gang, und_ die Juden, die doch bei uns 
auch an dem Exereitium der allgemeinen Wehrpflicht theilnehmen, 
behalten doch ihren Typus der schlaffen Haltung. Das ist aber gewiss, 
wenn wir anderen die natürliche Anlage zur strammeren haben und 
im Interesse der Wehrhaftigkeit des Volkes noch künstlich zu der- 
selben angehalten werden, dass eins dem andern hilft und uns so rein 
körperlich eine Ueberlegenheit giebt, die uns im Kampfe mit anderen 
Nationen zu Gute kommt. Denn in den Erfolgen der modernen Krieg- 
führung spielt doch noch mehr als in früheren Zeiten das ausgiebige 
Marschiren eine grössere Rolle als das wüthendste Hauen, Stechen 
und Schicssen. Interessant ist in dieser Beziehung auch noch eine 
Vergleichung antiker Statuen aus verschiedenen Zeiten. Ich erwähnte 
bereits, dass die meisten derselben, und zwar gerade die aus der 
Hochblüthe der Plastik, einen nachlässigeren Grad von aufrechter 
Haltung zeigen, als der, welcher bei uns als nett und anständig gilt. 
Wenn wir aber Werke aus der vorklassischen Zeit vergleichen, wie 
die Aegineten und die Gruppe der beiden Tyrannenmörder, so sind 
dies eben vielfach gehende und zwar stark ausschreitende Figuren.
        

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