Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1427061
Cordelia von 
Shakespeare 
Sein 
Schicksal 
erfüllen 
ohne 
Weilen. 
Und wie er hastig auf die Bühne tritt  
Mit jedem Schritt auf seine Würde pocht er  
Kommt neben ihm hervor mit grossem Schritt 
Im weissen Kleid die schöne, jüngste Tochter. 
Er fasst sie kräftig an der Schulter an; 
Doch sieht man an der Art, wie er es thut, 
Wie er sich an ihr hält, der alte Mann, 
Dass all' sein Glück auf diesem Kinde ruht. 
Er steigt zum Thron hinauf. Cordelia 
Tritt nun bei Seite, still in sich gesammelt. 
Fast steif und unbeweglich steht sie da 
Und harrt der Sprüche, die der Alte stammelt. 
Er ruft nun seine Töchter nach der Reihe, 
Um zu verkündigen, was er jeder giebt. 
Jedoch zuvor befragt er alle dreie, 
Dass jede sagen soll, wie sie ihn liebt. 
Die beiden Aeltesten, wie's ihm gefällt, 
Ergiessen schnell das Herz auf ihre Zungen 
Und überbieten sich vor aller Welt 
In überschwanglichen Betheuerungen. 
Und diesen Beiden, die bereits vermählt sind, 
Wird von dem alten König unverweilt 
Der Ländereien, die bereits gezählt sind, 
Ein wohlgemessenes Dritttheil zugetheilt. 
Cordelia voll Schreck erwägt, dass nun auch 
A11 sie die Reihe kommt, ihr Herz zu zeigen. 
Sie überlegt, was jetzt für sie zu thun auch; 
Doch sie weiss nichts als Lieben nur und Schweigen. 
Sie ist sich klar darüber, was sie wagt, 
Und doch  sie kann nicht anders, muss es wztgen. 
Denn, wie Gervinus treffend von ihr sagt, 
Sie kann, was sich von selbst versteht, nicht sagen. 
Das ist's, worauf ihr fester Sinn besteht, 
Und wie nun, hochgespannten Angesichts, 
Vom Vater auch an sie die Frage geht, 
Wie sie denn nun ihn liebe, sagt sie  Nichts.
        

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