Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1427040
Cordelia 
VON 
Shakespeare 
Brechen hervor im Sturm der Leidenschaft 
Und unterdess verharrt der Mund in Schweigvn. 
Dies wirkt verständlich, weil auf einen Streich 
Wir nicht gleich deutlich hören und auch sehen, 
Und jedenfalls von Beidem nicht zugleich 
Den Wahren Sinn vollkommen auch verstehen. 
Und auch natürlich ist es so, sag ich. 
Nur bei Betrunknen und bei Geisteskranken 
Vermischen 
Worte 
und 
Geberden 
sich. 
S0 wie in ihrem Kopfe die Gedanken. 
Laokoon bekanntlich seufzt, doch schreit nicht. 
Zu heftig ist er angespannt in1 Kampf. 
Der losgebundencn Rede Strom befreit nicht 
Die Brust, bevor gehoben ist der Krampf. 
Wie wird nun aber meistentheils gemimt? 
Wer kennt ihn nicht, den alten steifen Gang, 
Der stets die Deelamation verblümt 
Mit einem Gestenaccompagnement; 
Der, während er in athmenden Tiraden 
Bald leise Hötet, bald gewaltig brüllt, 
In gleicher Weise breit und überladen 
Den Raum mit Pantomimenspiel erfüllt, 
Der sich aus Furcht vor leeren Intervallen 
Unnöthig keinen Augenblick besinnt 
Und gleich, sowie das Stichwort ist gefallen, 
Der Wechselrede linden weiterspinnt. 
Im Leben muss man doch erst miterleben, 
Was jedes Wort zunächst für Eindruck macht. 
Daraus kann sich der Anlass erst ergeben 
Zu dem, was man als Antwort wieder sagt. 
Denn nur in abgw-zdroschenen Controversen 
Ist jede Gegenrede fertig schon 
1m Kopf und spinnt sich ab von Vers zu Versen. 
Wie eine Doctordisputtttion. 
Wie anders man dies machen kann und muss 
Und wie sich dann uns Shakespeare offenbart, 
Dieses zu sehen ist der Hochgenuss
        

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