Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426892
auf Schillers Wallenstein. 
mit Anwendung 
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sprünglich reinen Zustande, wie ihn der glückliche Genius 
bar bewahrt. Ihr gilt das grosse Wort des Dichters: 
umwandel- 
"Jenes Gesetz, das mit eherncr Hand den Sträubenden lenket, 
"Dir nicht gilfs. Was du thust, was dir gefällt, ist Gesetz." 
Wie natürlich also ist es und wie erhebend das Vollgefühl dieses un- 
bedingten Rechts der Selbstbestimmung, in einer grossen Seele noch 
seine volle Herrschaft behaupten zu sehen! Seine Erhaltung inmitten 
der beengentlen festen Schranken einer vielgliederigen Cultur, oder 
einer positiven Moral und Gesetzlichkeit ist das Ideal aller starken 
Seelen; alle ringen nach lälreiheit, aber nicht nach jenem abstracten, 
demokratischen Ideal der allgemeinen Freiheit, sondern nach dem sehr 
aristokratisch exclusiven der persönlichen Freiheit oder der vollen 
Geltendmachung des Einzelnen, die jedem (lresetz entgegengesetzt ist. 
Diese Entgegensetzung" ist es, für die jeder Held der grossen 
illrstgiidie sich selbst einsetzt. „Das Gesetz hat noch keinen grossen 
Mann gemacht; aber die Freiheit brütet Kolosse und Extremitäten 
aus." Nachdem Karl Moor dies Princip ausgesprochen, hat er nicht 
mehr weit zu der waktiscl1e1i Ausführung IlGSSGlbGII. "Räuber und 
Nlörder! mit (liescnl YVorte ist das Gesetz unter meine Füsse gerollt." 
Der grosse Mann als solcher hat nach Niemand zu fragen. Clavigo 
wird von Carlos unterrichtet, wie ausserordentliche Menschen auch 
darin ausscrorilentlicli sein müssen, dass sie kleine Rücksichten aus 
den Augen setzen, eine Pflicht einem Zwecke unterordnen dürfen. 
„Thut das der Gesetzgeber in seinem Staate, der Schöpfer in seiner 
Schöpfung, warum sollen wir es nicht thun ihnen gleich zu werden?" 
Gott gleich sein wollen, ist schon im Paradies die erste Quelle 
alles Uebels. Die griechische Mythologie und die Moral der griechi- 
schen "llragödie macht die Ueberhebung des Menschen, der sich mit 
den Göttern vergleicht, zur xierhangnissvollsten Verschuldung. Niobe 
vergleicht ihr Glück mit dem der Götter, Phaeton will den Sonnen- 
wagen lenken, in Oedipus lebt nur ein Princip, sich selbst allein zu 
vertrauen. Die Moral des Christenthums lässt ein solches Gefühl 
nicht aufkommen. Desshalb erklärt Lessing eine rein christliche 
Tragödie, d. h. in der nder Christ als Christ interessirt", für ein Un- 
ding, weil die leitende Idee desselben, die Demuth, "mit dem ganzen 
Geschäfte der Tragödie streitet", und Schiller verhöhnt das "Christ- 
lich-moralische" im Drama als das volle Gegentheil grosser tragischer
        

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