Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426817
Anwendung 
mit 
Wallenstein. 
auf Schillers 
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Handlung, wie er hier als allgemeine, aus der grossen Mehrzahl 
klassischer Beispiele entnommene Regel hingestellt ist, erscheint nun 
Schillers Wiallenstein auf den ersten Blick nicht als das geeignetste 
Musterstüek, da er aus drei Theilen besteht, von denen nur der 
letzte, "Wallensteins  wie schon die Uebersehrift sagt, als voll- 
ständig; regelmässiges 'l'ra.uerspiel in fünf Akten gelten soll und kann. 
Man hat. sich iliel Mühe gegeben, auch in den  einen 
eigenen Plan von ihainaitiseher Verwiekelung zu erkennen oder alle 
drei als eine grosse tragische Composition zusammenzufassen, in der 
sich, nur Weiter ausgebreitet, ein ähnlicher V erlauf, wie sonst in ein- 
fachen Stücken, sollte durchführen lassen. Umsonst. Nicht nur das 
Lager ist, wie es im Prolog deutlich ausgesprochen ist, nur ein Vor- 
spiel, sondern auch die Pieeolomini. Nur ein einziger grosser Con- 
Hikt ist in der ganzen Dichtung: der übermüthige grosse Feldherr 
kann und will dem Kaiser, seinem Herrn, nicht mehr gehorchen, 
spinnt Verrath, untergräbt aber damit zugleich den sonst so festen 
Grund, auf dem seine eigene Grösse ruht, wird von seiner Armee 
Verlassen und fällt. Dieser Conflikt ist in den Vorspielen nur vor- 
bereitet, nicht eingeleitet. Noch in der letzten Scene der Piccolomini 
ist deutlich die lllöglichlaeit elusgesprochen, dass die ganze drohende 
VOl'Wl(1kll1ng' sich noch in nichts auflösen kann, wenn auch die Stim- 
mungen und Ciregcnsätze schon sehr guspiinnt sind. 
Wie diese ganze grosse V0rbereitung' des eigentlich tragischen" 
Slaiels aus den ersten Ansittzeil desselben herausgeivachseii ist, er- 
kennt nian recht klar, wenn man die Reihe der Briefe Schillefs über 
die Entstehung des Werkes V61'g'l(äl0llt. Der ursprünglich erste Akt 
der Handlung" schwillt in Folge der weitläufigen historischen Ex- 
position, deren er des Stoffes wegen bedarf, so an, dass-er sich zu 
mehreren ausdehnt, und also die Schürzung des tragischen Knotens 
sich innner tiefer in die späteren hineinscliiebt, bis dann endlich mit 
der Aussonderung eines ersten Stückes Raum gewonnen wird. Nun 
kommt der Anfang der Handlung, die entscheidende Besiegelung des 
Verraths zunächst in das erste Stück, und die Einheit der ganzen 
Handlung droht zerrissen zu wierdcn. Das Schwellen dauert aber 
noch fort. Es tritt nun erst recht ein, was Schiller in dürren Worten 
eingesteht, dass ihn hier ein epischer Geist angewandelt habe. 
Alle dramatischen, zu Handlung und Collisionen drängenden 
lluuke. Vurträge. 14
        

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