Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424823
des Menschen 
Die aufrechte Haltung 
des Rückgrates und des Beckens nicht unbedeutend wechseln kann, 
ohne dass sie deshalb aufhört, aufrecht zu sein. Nur versteht sich von 
selbst, dass wir immer, wenn wir das Rückgrat mehr zurückbiegen, 
das Becken umgekehrt mehr vornüber neigen. Mit einem Worte: es 
giebt, genau genommen, ebensowenig eine bestimmte normale Biegung 
der 'Wirbelsäule' oder Neigung des Beckens, wie einen bestimmten 
Grad von Biegung oder Streckung der Arme oder Beine, sondern wir 
können es damit einigermassen halten, wie wir wollen. Nur bewegt 
sich diese Willkür, ebenso wie die individuellen Verschiedenheiten, 
die sich aus derselben ergeben, innerhalb massiger Grenzen zwischen 
gewissen extremen Möglichkeiten. Ich habe auf Seite 12 ein Doppel- 
schema der Haltung von Becken und Rückgrat beim aufrechten Stehen 
zusammengestellt, das den Unterschied zwischen zwei Extremen schon 
übertrieben karikirt darstellt. Bei A sehen wir die Wirbelsäule so 
stark zurückgebogen, aber auch das Becken so stark vornübergeneigt, 
dass das obere Ende der Säule und des ganzen Rumpfes freilich an 
sich doch gerade aufrecht steht, aber durch das schräg vorwärts an- 
steigende untere Ende über den Hüften vorgeschoben ist. Bei B da- 
gegen ist das Rückgrat so wenig zurückgebogen, dafür aber auch 
das Becken so wenig vornübergcneigt, dass das obere Ende der Säule 
vornüberhängt, aber der ganze Rumpf über den Hüften zurückweicht. 
Es ist, wie gesagt, beides übertrieben, aber wir werden doch in 
dieser Karikatur zwei Arten von aufrechter Haltung des Menschen 
wiedererkennen, die wir als entgegengesetzte Typen im Leben häuüg 
zu sehen Gelegenheit haben. Wenn wir Lust haben, kann Jeder von 
uns die eine oder andere Haltung annehmen. Die meisten Menschen 
haben aber gewohnheitsmässig mehr die eine oder die andere. Wir 
können unmöglich das Eine oder das Andere für richtig oder falsch 
erklären. Ob uns dies oder jenes besser gefallt, ist schliesslich Gre- 
schmackssache. Im Allgemeinen gilt bei uns die vorgeschobene Hal- 
tung desOberkörpers für anständiger, und nur im Uebermass erscheint 
sie uns als affectirt. Wir spotten über das Gegentheil, die zurückge- 
lehnte Haltung der Brust, gegen welche die Hüften mehr hervortreten. 
Unsere humoristischen Maler stellen dieselbe an Bildern alter Juden 
dar. Dem liegt eine richtige Beobachtung zu Grunde, die 
unserer Nation, welche mit dem grösseren Theile derselben 
europäischen Völker nicht stammverwandt, sondern semiti- 
lächerlich 
Genossen 
und aller
        

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