Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Vorträge über Plastik, Mimik und Drama
Person:
Henke, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1424454
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1426748
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Tragödie 
der 
Anatomie 
stellen wollen. Wir müssen ihm fast eben so vollkommene Berechtigung 
seines Handelns zuerkennen, wie seinem Sohne; aber dennoch gewinnt 
er nicht den "warmen Antheil von uns, wie jener und der Held, den 
sie beide stürzen helfen. Denn er thut seine Schuldigkeit mit Ruhe. 
Wie sollten wir uns darüber beunruhigen? Und wenn wir dann das 
rührende Zutrauen sehen, mit dem sich Wallenstein, wenn auch in 
noch so schlechter Sache, auf ihn verlässt und eben dadurch von ihm 
übervortheilt wird, muss er auch uns ein Gegenstand der Abneigung 
sein, wenn wir ihm auch nichts vorzuwerfen haben. 
Alle andern Nebenpersonen ordnen sich diesen Hauptrepräsentanten 
leicht neben. Am meisten ohne eine nach der einen oder anderen Seite 
hin neigende Eigenschaff steht als theilnelnnender Zuschauer am Ende 
des Stückes der bescheidene Jugendfreund des gewaltigen Helden. 
Gordon ist das volle Gegentheil jeder Art von Heroismus. Er drückt, 
wie der Chor im griechischen Drama, den Sinn des Zuschauers aus, 
wenn er zu dem ganz willenstarken und gefühllosen Buttler sagt: 
„O Gott! was sein muss, seh" ich klar wie Ihr, 
„D0ch anders schlägt das Herz in meiner Brustf 
Wenn die Hauptperson der Tragödie es ist, für die unsere Theil- 
nahme durch das Spiel erregt werden soll, so wird diese Wirkung 
selbst hervorgebracht durch den Verlauf der (largestellten Begeben- 
heit, in welche die Personen verwickelt sind. Er ist es, was uns un- 
mittelbar in Erregung setzt. Aber die Lebendigkeit dieser WVirkung 
hängt nicht ab von der Grösse eines erschütternden Ereignisses an 
sich, sondern von der wohlgeordneten Folge der erschütternden 
Momente, von denen einer den andern nothwendig hervorruft und 
hervorhebt. Deshalb hat schon Aristoteles die Anordnung der Ge- 
schichte (oder die „Fabel") in der Tragödie als die eigentliche Haupt- 
sache bezeichnet, und Schiller rühmt, dass er damit recht den" Nagel 
auf den Kopf getroffen. Wie der Hauptheld vor den Übrigen unser 
Auge auf sich ziehend hervorragt, so vor den erschütternden Lagen, 
in die er versetzt wird, ein grosser Hauptinoinent, in dem der grösste 
Eindruck auf ihn wirkt und sein Schicksal entscheidend bezeichnet. 
Ein solcher Eindruck ist gegeben, wenn ein Wendepunkt in 
Lage eintritt, oder ihm selbst zuerst klar wird, durch den 
seiner 
er im
        

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